Samstag, 4. September 2010
Und los geht's!
Der Rucksack ist gepackt und in ein paar Stunden sitzen wir im Zug nach Frankfurt. Fast sah es so aus, als ob mir meine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machen könnte, aber jetzt geht's wieder. Liegt vielleicht auch daran, dass ich noch eine ganze Menge Unterstützung erhalten habe - habe ich auch mehr als gebraucht.

Bin schon gespannt auf Burma.



Öffentlichkeit
Es kommt immer öfter vor, dass ich keine Zeitschriften oder Bücher lese, sondern im Internet surfe. Der Unterschied liegt in der Selektion. Das Buch, das ich lese, habe ich mir vorher ausgesucht, die Zeitschrift ebenfalls. Im Netz, wie ja auch im Fernsehen, gibt es jede Menge Informationen aber eben auch jede Menge Müll und beides vermischt sich. Und irgendwie – ich weiß nicht, ob anderen dies auch passiert – bleibt man doch öfter als es gut ist, am Müll hängen. So wie man manchmal eine Vormittagstalkshows ansieht, in denen eine Dämlichkeit die andere jagt. Wahrscheinlich ist es der klammheimliche Grusel, den man sucht. Wie dem auch sei, irgendwie nimmt man dadurch mehr Mist auf, als man im Grunde verdauen kann.

Ich lese immer wieder auch mal die Kommentare in Foren oder Blogs. Und einige von denen sind einfach nur zum Kotzen. Zum Teil in Fäkalsprache, zum Teil heftig unter die Gürtellinie zielend. Und oftmals grausam platt.

Vorhin ich entdeckt, dass ich in einem Forum zitiert wurde. Ein Beitrag von mir wurde akribisch auseinander genommen und in einigen Punkten so richtig schön fehlinterpretiert. Und ich frage mich jetzt, ob ich eigentlich will, dass jeder irgendwelche Platituden zu etwas von mir Geschriebenen abgeben kann. Es ist mir ja hier in diesem Blog schon mal passiert, dass jemand völlig platte und überhebliche Kommentare geschrieben hat, die derjenige dann aber wieder gelöscht hatte – übrigens unglücklicherweise dadurch auch sämtliche Beiträge anderer Blogger. Alles in allem war es aber für alle Beteiligten eine unerfreuliche Diskussion. In einem früheren Blog war es noch viel schlimmer - Fäkalsprache pur. Allerdings hat mir ein Kollege, der allerdings selbst null Interesse am Internet hat, zu Bedenken gegeben, warum ich denn "nicht einfach den Stecker rausziehe?" - womit er ja nicht unbedingt Unrecht hat. Anders als die realen Menschen, brauchen die virtuellen meine Einwilligung.

Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, dann tue ich das normalerweise mit jemandem, den ich mir ausgesucht habe. Wenn sich dann zeigt, dass man aneinander vorbeiredet, wird man die Unterhaltung nicht wiederholen. Im Netz hat man diesen Einfluss aber nicht. Und irgendwie wird mir erst jetzt bewusst, welch großes Manko das ist. Vor einiger Zeit hatte ich einen längeren Dialog mit einem Blogger, der keinen eigenen Blog hatte. Ich habe nach dem Grund dafür gefragt, und die Antwort beinhaltete Bedenken gegenüber den Konsequenzen des Öffentlichen. Und vielleicht sollte man das doch ein wenig ernster nehmen. Es gibt Menschen, die man mag und die in der Lage sind, Dinge so zu verstehen, wie man sie auch meint. Vielleicht sollte man sich auf diese Menschen konzentrieren.



Montag, 30. August 2010
Zufall?
"We gotta get out of this place. If it's the last thing we ever do, Girl, there's a better life for me and you, Somewhere baby, somehow I know it".
Eric Burdon

Überlege, ob es Zufall war, dass ich dieses Lied vor zwei Tagen das erste Mal gehört habe. Es soll aber ja angeblich keine Zufälle geben und vielleicht passt die Botschaft genau jetzt an diesem Punkt. "This place, where the sun refuses to shine" - vielleicht ist jetzt die letzte Möglichkeit, sich vom Feld zu machen. Vielleicht sollte man genau dieses Feld denen überlassen, die dort hingehören?



Sonntag, 29. August 2010
The roaring seventies – still alive
Musik ist auch immer ein Stück Zeitgeschichte. Heute habe ich eine Zeitreise gemacht. Ich war gerade auf dem Classic Rock Festival. Roger Chapman, Jethro Tull, Eric Burdon, The Australian Pink Floyd Show. Eigentlich auch Ten Years After, aber da wir zu spät kamen, haben wir die zu unserem großen Bedauern verpasst.

Und endlich einmal Musik, die mir gefällt. Kein Bushido, der von Schlampen und Nutten singt, kein Mehrzad Marashi und auch kein Mark Medlock.

Früher entstanden Bands dadurch, dass sich Musiker zusammentaten, weil sie Lust auf Musik hatten. War die Musik gut, dann wurde die Gruppe irgendwann berühmt. War sie schlecht, dann wurde sie's nicht. Die Zuhörer haben dies entschieden. Manager und Agenten kamen erst dann hinzu, wenn sich die Gruppe schon hochgespielt hatte. Begonnen hat alles meist in ungeheizten, schmuddeligen Übungskellern und in winzigen Pubs. Mit anderen Worten – es lief genau umgekehrt wie heute. Heute werden irgendwelche x-beliebigen Menschen gecastet und wenn sich jemand als vielversprechend in Bezug auf den Geschmack der Masse erweist, dann wird er hochgepusht. Und irgendwann verschwindet er oder sie wieder in der Versenkung.

Roger Chapmans „Shadow on the wall“ und "16 tonns", Jethro Tulls „Locomotive Breath“ und Eric Burdons "We gotta get out of this place ( If it's the last thing we ever do, Girl, there's a better life for me and you, Somewhere baby, somehow I know it). Alles schon Rockgeschichte. Ian Andersons Querflötensoli und dann tatsächlich ein, nein sogar zwei Schlagzeugsoli. Und besonderer Ohrenschmaus das Solo der Sängerin der Australian Pink Floyd Show in "Great Gig in the sky". Gesangssolo? Jawohl so etwas gibt es (oder vielmehr gab es)! Wer sich daunter nichts vorstellen kann - unbedingt anhören:

Ich war nicht nur auf die Gruppen gespannt, sondern auch auf die Besucher. Und tatsächlich – jede Menge Leute meines Alters. Ein völlig ungewöhnlich und nahezu unbekanntes Gefühl. Nicht das es keine anderen 50jährigen geben würde – natürlich gibt es davon jede Menge. Aber die aus meinem Umfeld gehen nicht auf solche Konzerte, sondern interessieren sich hauptsächlich für Geldanlagen, Alterssicherung, neue Möbel und für die Frage, wie man es schafft, überall einen guten Eindruck zu machen.

Mein Bild hat sich ein wenig zurechtgerückt. Und das Festival war einfach nur gut. Zu sehen, dass manche Musiker mit dem Alter sogar noch besser werden. Eric Burdons Stimme hat mir schon immer eine Gänsehaut bereitet, aber er ist live einfach noch besser und seine Stimme ist noch stärker geworden. Leider keine Zugabe, ich hätte sooo gern noch „Tobacco Road“ oder „Paint it black“ gehört. Natürlich bin ich tieftraurig, dass ich Ten Years After verpasst habe – auf den Gleisen in Richtung Hamburger City hat es gebrannt und so verzögerte sich alles.

Ich habe jetzt ein leises Pfeifen in den Ohren – ich stand ganz vorne neben den Boxen – und meine Füße schmerzen (7 Stunden stehen). Was ich von diesem Tag sonst noch mitnehme, ist die Erkenntnis, dass der Ausspruch J.D.Salingers „Erwachsenwerden ist Verrat am Selbst“ doch nicht auf alle Menschen zutrifft. Die Menschen, die ich da auf der Bühne gesehen habe, haben ihr Selbst nie verraten. Sie sind authentisch und nicht nur das, sie lassen andere von ihrer Authentizität profitieren. Und die vielen Menschen, die anscheinend die Musik genauso wie ich genossen haben, wirkten auch nicht wie „Selbstverräter“.

Manche Musik tut gut. In guter Gesellschaft sogar noch mehr. Eigentlich ein perfekter Abend. Es gibt doch nicht nur Unangenehmes. Und es gibt uns noch.