Sonntag, 4. Oktober 2015
Israel (3) - Im Fauzi Azar in Nazareth
Fortsetzung von Israel (2)
Nazareth 02.10.15
Habe gerade eben noch den Bus nach Nazareth erreicht. Leicht ist es nicht, sich zu den richtigen Busstationen durchzufragen. Mein Guesthouse habe ich durch das Internet entdeckt. Das Fauzi Azar in Nazareth hätte ich allein wahrscheinlich nicht gefunden, aber im Bus spricht mich ein Amerikaner an, der schon einmal dort war und jetzt erneut dorthin will und so gehen wir zusammen. Die Altstadt ist ähnlich wie die in Jerusalem, kleine, enge Gassen mit ausschließlich Geschäften. Allerdings sind die merkwürdigerweise um 19.00 Uhr schon alle geschlossen, so dass alles sehr unwirklich wirkt, fast wie eine Geisterstadt.

Das Fauzi Azar ist nicht irgendein Hotel im Ort, sondern fast schon eine Institution hier in Nazareth. Am folgenden Morgen mache ich eine vom Guesthouse gratis angebotener Tour durch die Stadt, die mit einer kleinen Einführung in die Geschichte des Guesthouse begann. Das rund zweihundert Jahre alte Haus, in dem sich das Fauzi Azar befindet gehört seit Generationen einer arabischen Familie. Die junge Frau, die in perfektem Englisch die Familiengeschichte schildert, erzählt die Geschichte ihres Großvaters, der in den 80er Jahren bei einem Brand im Haus ums Leben kam. Er opferte sich selbst, um das Haus seiner Familie zu retten und den Brand zu löschen. Irgenwann später machte dann ein Geschäftsmann der verwitweten Großmutter das Angebot, sie bei der Führung eines Guesthouses zu unterstützen. Das Ungewöhnliche daran ist, dass es sich bei diesem Mann um einen Juden handelte, der keine Bedenken hatte, gemeinsam mit einer arabischen Familie ein Guesthouse zu führen. Die Großmutter fand die Vorstellung eines gemeinsamen Geschäfts zuerst abwegig und erwiderte auf diese Idee: "Don't talk about piece between jews and arabs ." Aber dann siegte doch die Vorstellung, den in der Unterhaltung sehr kostspieligen Familienbesitz auf diese Art behalten zu können. Fauzi Azar InnBei allem wirkten die Töchter und Enkelkinder unterstützend mit und beim Erzählen der Enkelin wird deutlich, dass das Haus, für das ihr Großvater sein Leben opferte, ein starkes Band zwischen den Familienmitgliedern bildet.

Mein Zimmer gleicht mit seinem hohen aus Natursteinen gemauerten Deckengewölbe eher einem Kirchenraum als einem Zimmer. Und der Innenhof mit Gewächsen und Springbrunnen erinnert an ein Serail. Kein Wunder, dass dieses Guesthouse fast immer ausgebucht ist.
https://abrahamhostels.com/nazareth/the-fauzi-azar-story/

In Nazareth besuche ich die sogenannte Verkündigungskirche, die an der Stelle gebaut wurde, an der Maria die Geburt ihres Sohnes verkündet worden sein soll. Die Kirche ist absulut modern, aber in der Mitte befindet sich tatsächlich sehr altes Gemäuer. Chinesische Madonna in der VerkündigungskircheWas allerdings viel beeindruckender ist, sind die vielen Mariendarstellungen an der um die Kirche herumführenden Mauer. Es sind dort Mariendarstellungen von jedem Land angebracht. So gibt es dann eine Abbildung, auf der Maria und Jesus chinesische Kimonos tragen und chinesische Gesichtszüge haben. Die aus Thailand stammende Abbildung gleicht eher einem buddhistischen Tempelbild als einem biblischen. Und auch die aus Südamerika stammenden Abbildungen sehen völlig anders aus als gewohnt in ihren farbenprächtigen Gewändern.
Fortsetzung Israel (4) hier



Samstag, 3. Oktober 2015
Israel (2) - Jerusalem - eigentlich kaum zu beschreiben
Fortsetzung von Israel (1)
03.10.2015
Gleich am Folgetag meiner Ankunft breche ich nach Jerusalem auf. Während die Mitarbeiter der Jugendherberge noch sehr nett und auskunftsbereit waren, gestaltet sich der weitere Weg schwieriger, denn fast alles ist nur auf Hebräisch geschrieben und nicht alle Leute sprechen Englisch. Man gewöhnt sich relativ schnell daran, dass jeder Soldat und jede Soldatin ein Maschinengewehr trägt. Was allerdings gewöhnungsbedürftig ist, ist die Tatsache, dass auch einige der orthodoxen Juden ein Maschinengewehr tragen.

Der zentrale Busbahnhof befindet sich merkwürdigerweise in den oberen Stockwerken eines großen Einkaufszentrums. Den richtigen Bus nach Jerusalem finde ich noch relativ einfach heraus, aber die Suche nach der richtigen Straßenbahn gestaltet sich schon sehr viel schwieriger. Ich steige also nach Gefühl aus und nehme mir für den Rest des Weges ein Taxi. Mein schon von Deutschland aus gebuchtes Guesthouse entpuppt sich als eine wahre Oase der Ruhe. Von meinem Balkon aus kann ich die Erlöserkirche und die Grabeskirche sehen und von der Terrasse aus sieht man die goldene Kuppel des Felsendoms.

Das Lutherian Guesthouse of Jerusalem verfügt über einen wunderschönen Garten mit Olivenbäumen, Lavendel, Thymian und Rosmarin. Es befindet sich in der Altstadt inmitten der kleinen quirligen Gassen des Basars. Blick vom Lutherian GuesthouseAllerdings sind die Mauern so dick, dass von der Betriebsamkeit und der Lautstärke des Basars nichts zum Guesthouse durchdringt. Das tut auch bitter not, denn es herrscht aufgrund des heute beginnenden Laubhüttenfest eine rege Geschäftigkeit, da jeder gläubige Jude sich zur Klagemauer begibt Das Sukkot genannte Laubhuettenfest erinnert an die Wiederkehr nach Israel, bei der noch keine festen Häuser vorhanden waren und Hütten gebaut wurden. Aus diesem Grund tragen alle Gläubigen einen Palmenzweig mit sich, der auf das Dach eines Zeltes gelegt wird, in dem gefeiert wird.

Ich besuche auch die hier als "Westernwall" bezeichnete Klagemauer, an der Männer und Frauen getrennt beten. Klagemauer Ich habe nicht das Gefühl, als störend empfunden zu werden, allerdings auch nicht das Gefühl, willkommen zu sein. Ein gänzlich anderes Gefühl als bei meinen Besuchen buddhistischer Tempel während meiner Asienreisen, bei denen man sehr oft angelächelt und manchmal auch angesprochen wird. Hier ähnelt die Reaktion eher der in christlichen Kirchen.

Auch im Urlaub kann ich mich nicht ganz freimachen von meinem Interesse an Sozialarbeit. An den beiden letzten Tagen vor meiner Weiterfahrt nach Nazareth war ich noch bei einer sehr beeindruckenden Veranstaltung - diesmal keine religiöse - anwesend. Veranstalter war eine Einrichtung der Behindertenhilfe. Dies wusste ich allerdings zuerst nicht, denn fast alle Schilder waren auf Hebräisch beschriftet. RollstuhltanzAuf der Bühne befand sich eine Rollstuhlfahrerin und eine in ein orientalisches Kostüm gekleidetet Frau. Dann wurde orientalische Musik gespielt und beide begannen, einen Tanz aufzuführen. Am zweiten Tag gab es eine Musikdarbietung, bei der die Gruppe aus Behinderten und Nichtbehinderten bestand. Außerdem wurden auch diverse von den Behinderten angefertigte Produkte angeboten und beim Kauf einer kleinen Schatulle für einen "Türsegen" kam ich ins Gespräch mit den Mitarbeitern, deren Engagement und Ideenreichtum mich begeisterte.
Fortsetzung Israel (3) hier



Israel (1) - erste Eindrücke
03.10.2015
Seit nunmehr einer Woche bin ich in Israel. Die Entscheidung, nach Israel zu reisen, fiel mir nicht ganz leicht. Einerseits wollte ich schon seit langem nach Israel, andererseits ist es natürlich bedenklich, in ein krisengeschütteltes Land zu fahren. Außerdem war es diesmal nicht möglich, gemeinsam mit meinem Freund zu reisen, so dass ich diese Reise ganz allein antreten musste. Es ist schon ewige Zeiten her, dass ich allein gereist bin und ich habe, ehrlich gesagt, keine sehr guten Erinnerungen daran. Passanten Letztendlich siegte aber meine Reiselust und außerdem ist das Viertel in dem ich wohne auch nicht gerade sicher, denn auch hier gab es schon tödliche Messerstechereien, Schlägereien und Schießereien direkt vor meiner Haustür.

Warum gerade Israel? Ich interessiere mich sehr für Religionen und nachdem ich nun schon diverse buddhistische und auch einige muslimische Länder bereist habe und auch hinduistisch und taoistisch geprägte Regionen kennengelernt habe, habe ich den Wunsch, auch die jüdische Kultur näher kennenzulernen.

Ich hätte gern schon am zweiten Tag ein wenig über meine Reiseeindrücke geschrieben, aber ich schlug mich erst einmal mit den Tücken der Technik herum, denn seitdem jeder ein Smartphone oder ein Tablet hat, stellen die guesthouses keine PCs mehr für die Gäste zur Verfügung. In weiser Voraussicht hatte ich mir zwar schon vor einem halben Jahr ein Tablet gekauft, es aber ohne zu nutzen einfach liegen lassen. Ich tippe grundsätzlich mit zehn Fingern und für mich ist es eine Zumutung, im Ein-Finger System zu tippen. inzwischen habe ich mich aber ein wenig mit der Sprachaufnahme vertraut gemacht und so versuche ich jetzt, wie ich es üblicherweise auf meinen Reisen tue, ein kleines Reisetagebuch zu schreiben.

Nachdem ich also am vergangenen Samstag in Tel Aviv ankam, machte ich meine erste Bekanntschaft mit der Sabbathruhe, denn es war nicht möglich, Geld aus dem Bankautomaten zu erhalten. Am Sabbat darf kein Geld nachgefüllt werden, und da es schon spät am Abend war, war der Automat völlig leer.

Meine erste Nacht verbrachte ich nicht in einem Hotel sondern in einer Jugendherberge wo ich das Zimmer mit zwei Frauen teilte. Es ist schon ewige Zeiten her, dass ich so etwas gemacht habe, aber die Erfahrung war die gleiche: es ist wesentlich unbequemer, aber auch wesentlich interessanter.

Bei den beiden Frauen handelt es sich um Türkinnen - Mutter und Tochter - die für 2 Wochen Israel bereisen. Die etwa 20 jährige Tochter zeigt mir sofort sehr viele Fotos, die sie mit ihrem smartphone gemacht hat und sie beschreibt lebhaft ihre Eindrücke. Die meiste Zeit hielten die beiden sich in den palästinensischen Gebieten auf, aber beide haben auch die christlichen Stätten besucht. Die junge Frau betont, dass sie sich sehr für alles interessiert, was mit Religionen zu tun hat. Für mich bestätigt sich wieder einmal aufs neue, dass Reisen das geeignetste Mittel gegen Vorurteile ist, denn weder in meinem Wohnviertel noch in dem Viertel, indem ich arbeite habe ich trotz der Tatsache, dass dort überwiegend türkischstämmige Menschen wohnen, jemals jemanden kennengelernt, der sich auch nur im geringsten für andere Religionen interessiert. Als ich morgens aufwache, sehe ich wie sich die Mutter für das Gebet vorbereitet . Sie breitet einen kleinen Teppich aus und bindet sich ein Kopftuch um. Sie betet dann leise flüsternd, offenbar will sie mich nicht wecken. Beim Abschied sage ich der Tochter, dass sie unbedingt einen Blog machen sollte, indem sie ihre vielen Erlebnisse beschreibt und ihre wunderschönen Fotos zeigt.
Fortsetzung Israel (2) hier



Mittwoch, 24. September 2014
Felsenküsten, Soldatenfriedhöfe, Gaumenfreuden – Reisen durch die Bretagne und die Normandie
01.10.14 Paris
Gestern sind wir in Paris angekommen und der Kontrast von Natur und Stadt könnte nicht größer sein. Eben noch Möwengeschrei und Felsklippen, jetzt überfüllte Metros und Hochhäuser. Aber ich hole hier etwas nach, was ich während meiner Zeit in Paris sträflich versäumt habe – endlich Fenster St Deniseinmal die Krypta der Kathedrale von St. Denis anzusehen. Es ist beeindruckend, dass hier der größte Teil der französischen Könige und Königinnen gemeinsam beigesetzt wurden. Aber noch beeindruckender ist, dass hier auch schon die Gebeine vieler Karolinger und sogar einiger Merowinger beigesetzt sind.

Die Glasfenster der Kathedrale von St. Denis gehören zu den ältesten Kirchenfenstern überhaupt. Obwohl ich alles andere als sicher im Bestimmen der einzelnen Kunstepochen bin, wird mir einmal mehr klar, Gruft St. Deniswas die große Bedeutung des Übergangs von den romanischen Bauten zu den gotischen in erster Linie ausmacht – die regelrechte Überflutung durch Licht. Und weil es eben nicht nur einfache Glasfenster waren, durch die das Licht hinein strömte, sondern filigrane Darstellungen der Bibel in den schillernsten Farben, muss das auf die damaligen Kirchgänger wie eine Offenbarung gewirkt haben.

29.09.14 Cap Fréhel und Dol-de-Bretagne
Der wohl schönste Teil der Steilküste der Bretagne befindet sich am Cap Fréhel. Die Höhe ist schwindelerregend, was noch dadurch verstärkt wird, dass keine Mauern oder Zäune vorhanden sind. Kormorane sitzen entweder regungslos in ganzen Kolonien auf den Felsen oder aber fangen blitzartig im Sturzflug Fische. Cap FrehelEs gibt natürlich noch andere Touristen außer uns, aber merkwürdigerweise kann dies dem Ort nicht den Zauber der Einsamkeit nehmen. Man hört nur den Wind und manchmal für kurze Zeit von weitem leise das Motorengeräusch von Jachten.

Auf dem Rückweg von Cap Fréhel fahren wir über Dol-de-Bretagne, wo wir uns den großen Menhir ansehen wollen. Als ich das erste Mal ein Foto eines Menhirs gesehen habe, hat mich dies unweigerlich an die Hinkelsteine von Obelix erinnert. Und genauso wenig wie man weiß, was genau Obelix denn nun mit den vielen Hinkelsteinen macht, die er fortwährend mit sich herumträgt, genauso wenig kann man es wirklich eindeutig sagen, welche genaue Funktion die Menhire in ihrer Zeit hatten. Sicher ist nur, dass sie sakrale Bedeutung hatten. Über die Form der Rituale und Zeremonien weiß man nichts.

Aufgrund der wenig hilfreichen Beschreibung meines Reiseführers finden wir den Menhir erst sehr spät und es ist fast schon dunkel. Der Menhir steht ohne irgendwelches ansonsten übliches touristisches Beiwerk wie Cafés oder Souvenirshops einfach so auf einem Feld über dem langsam die Mondsichel aufgeht. Wir sind völlig allein und es ist still, so dass man sich kaum der Magie dieses Anblicks entziehen kann. Man kommt ein wenig ins Nachdenken über die völlig unterschiedliche Form sakraler Stätten. Da gibt es auf der einen Seite die riesigen Kathedralen, die mit einem Menhirunbeschreiblichen Aufwand an menschlicher Arbeitskraft und ausgeklügelter Architektur geschaffen wurden und da gibt es einen großen Stein, der einfach so wie ihn die Natur geschaffen hat in unveränderter Form auf einem Feld steht. Die Funktion beider Stätten ist die Gleiche – der Versuch, sich etwas Höheres als den Menschen zu vergegenwärtigen. Dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied, denn einmal bezieht sich die Anbetung auf etwas von Menschenhand Geschaffenes und das andere Mal bezieht sich die Anbetung auf einen Teil der Schöpfung.

27.09.14 Mittelalter in Dinan
Eigentlich hat man in vielen Teilen der Bretagne das Gefühl, die Zeit sei ein wenig stehengeblieben. In Dinan jedoch hat man das Gefühl einer Reise ins Mittelalter. Die Stadt liegt oberhalb des Flusstals der Rance und schon von weitem sieht man die riesige über die Rance führende Brücke. Enge verwinkelte Gassen mit Fachwerkhäusern, die durch die Jahrhunderte teilweise abgesackt sind und manchmal aussehen, als würden sie im nächsten Augenblick umkippen. DihanIn einem Geschäft kaufe ich ein Buch mit Rezepten für bretonische Crepes bzw. Gallettes, wie sie hier heißen und dabei höre ich das erste Mal die bretonische Musik, die mir auf Anhieb gefällt. Glockenhelle Frauenstimmen und Dudelsack – ähnliche Klänge habe ich auch schon von Gruppen auf Mittelaltermärkten gehört, aber die bretonische Musik ist ruhiger und melodischer.

26.09.14 Cancale. Austern - das erklärte Gegenteil von Fastfood
In der gesamten Bretagne werden Austern in den Restaurants angeboten, aber in Cancale befindet sich die größte Austernzucht. Von der Strandpromenade aus kann man die merkwürdigen rechteckigen Becken sehen und am Weg hinab zur Austernzucht befindet sich der Austernmarkt. Es sind insgesamt nur etwa 10 Stände, aber trotzdem ist der Markt sehr berühmt. Man bekommt einen Teller mit sechs oder 12 Austern und ein bis zwei Zitronen. Der Teller und die Zitronenschalen werden zurückgegeben und die Austernschalen werden über die Strandbalustrade gekippt. So wie andernorts Wege mit Kies bedeckt sind, ist der Strandweg entsprechend über und über mit Austernschalen bedeckt, deren Perlmutt in der Sonne schimmert. Es gibt nicht nur die normalen Austern, sondern auch riesige sogenannte „Pferdefussaustern“, die in der Tat so groß wie ein Hufeisen sind.

Es scheint keinen Franzosen zu geben, der diese Meeresfrüchte nicht genießt. Mir erschließt sich diese Vorliebe leider nicht, aber dennoch schaue ich gern dabei zu, mit welchem Genuss Franzosen die Austern verzehren. In den Restaurants und am Markt wird das Austernessen regelrecht zelebriert. Wenn man Austernzuchtbedenkt, dass die eigentliche Meeresfrucht nur sehr klein ist, dann ist es erstaunlich, wieviel Zeit ein Franzose benötigt, ehe die geringe Masse an Austernfleisch verzehrt ist. Einen größeren Unterschied zum Fastfood gibt es wohl nicht.

Das erste Austernessen in diesem Urlaub verlief übrigens nicht sehr erfreulich, sondern endete für meinen Freund mit heftigem Erbrechen und langen Sitzungen auf dem Clo. Was ihn allerdings nicht abhalten konnte, schon am übernächsten Tag wieder zwei Portionen zu sich zu nehmen. Die Versuchung war einfach zu groß.

25.09.14 Mont St. Michel
Nachdem man sich spiralförmig durch die engen Gassen und Treppen mit den vielen Souvenirshops und Restaurants durchgearbeitet hat, gelangt man irgendwann zum eigentlichen Kern des Mont St. Michel, nämlich zur auf der Spitze gelegenen Abtei. Mont Michel
Der Kreuzgang und der Ausblick sind genauso fantastisch, wie in den Reiseführern beschrieben. Ich hatte immer gedacht, dass es Wattwanderungen nur in unserer Nordsee gibt, aber auch hier sind viele Gruppen im Watt unterwegs, die von oben wie bunte Ameisen aussehen.

Sakralbauten haben für mich immer etwas Beeindruckendes. Aber anders als eine Kathedrale ist der Mont St. Michel eben nicht nur ein durch Menschenhand entstandenes Gebilde, sondern gleichermaßen auch ein Naturerlebnis und er erinnert mich irgendwie an die griechischen Klöster in Meteora, bei denen man auch darüber staunt, wie Menschen es geschafft haben, die vielen Steine und Balken in schwindelnde Höhe zu transportieren.

24.09.2014 Roche Torin, Bretagne - kaputtes Navi und Jeanne d'Arcs Tränen
Als wir gestern schon fast an dem Ort angelangt waren, in dem sich unsere telefonisch reservierte Ferienwohnung befindet, gab das Navi plötzlich den Geist auf und wir mussten auf altbewährte Art mit Hilfe von Landkarten suchen. Nicht ganz einfach, wenn es sich nur um Straßendörfer handelt, die oft gar nicht verzeichnet sind. Vollends chaotisch wurde es dann, als sich herausstellte, dass mein Freund beim Reservieren versehentlich die Telefonnummer vertauscht hatte und wir dadurch an einer völlig anderen Adresse ankamen. Allerdings war die dortige Vermieterin sehr nett und redselig und malte uns genau auf, wo sich die gebuchte Unterkunft befand. Ziemlich genervt kommen wir dann in Roche Torin an. Der Ort liegt nicht weit vom Mont Michel, die auf einer Felseninsel gelegene berühmte Klosterburg. Durch die lange Suche hatten wir keine Zeit, uns die Insel näher anzusehen, aber sie taucht immer wieder wie eine Fata Morgana in der untergehenden Sonne am Horizont auf.

Heute Morgen sehen wir auf dem Weg zum Frühstücksraum unseren Vermieter, der auf einem riesigen Tisch im Hof mit einem Hackebeil zwei Schafe zerlegt. Die „Patronne“ erzählt uns, dass sie und ihr Mann regelmäßig selbst schlachten, obwohl sie jetzt nicht mehr soviel Viehzucht wie früher betreiben. Jeden zweiten Satz beendet sie mit „C’est comme ça!“ – „So ist es“! Das erinnert mich an die Comicserie „Frühstück bei Stephanie“ in der Stephanie in regelmäßigen Abständen „Es is’ ja wie es is’“ von sich gibt. Aber auch unser norddeutsches „Muscha“, das gleichbedeutend ist mit „Ich muss ja“ (= „da muss man durch“) fällt mir ein.

Auf der gestrigen Fahrt nach Mont Michel hielten wir in Rouen. Dort befindet sich die berühmte Kathedrale Notre-Dame de Rouen, deren Bau im 11. Jahrhundert begann. Die gotische Kathedrale ist riesig und in den Seitenschiffen befinden sich viele kleine Kapellen – Kapelle der heiligen Anne, der heiligen Marguerite, des heiligen Julien um nur einige zu nennen. Und eine der vielen Kapellen ist Jeanne d’Arc gewidmet, die hier in Rouen hingerichtet wurde. Jeanne2Auf dem Marktplatz erinnert ein Platz mit einer Gedenktafel an sie. Obwohl inzwischen etliche Jahrhunderte vergangen sind, lässt mich die Grausamkeit erschauern, mit der hier eine unschuldige junge Frau hingerichtet wurde.

In Rouen findet man das, was woanders oftmals schon seit langem durch Supermärkte verdrängt wurde – Fachhandel. Es gibt kleine Geschäfte, in denen es nur Haushaltsartikel gibt, Seifen und Parfümgeschäfte, Schustereien,Dieppe ein kleiner Laden ausschließlich für Reinigungsartikel, Chocolaterien und sogar einen Geigenbauer. Dazu viele kleine Galerien. All diese kleinen Geschäfte befinden sich in engen Gassen mit Fachwerkhäusern.

Vor einer der Chocolaterien steht eine kleine deutsche Reisegruppe und die Leiterin erklärt, dass nur die Chocolaterien hier in Rouen die Spezialität „Les armes de Jeanne d’Arc“ anbieten und sie macht darauf aufmerksam, dass schon der Geruch beim Betreten des Geschäfts betörend ist. Ich beschließe daraufhin, hineinzugehen, und tatsächlich – ich habe noch nie so einen betörenden Schokoladengeruch wahrgenommen, wie in dieser Chocolaterie. Ich kaufe mir auch eine Probierpackung der larmes de Jeanne d’Arc, die sich als Mandeln entpuppen, die mit einer Art Mischung aus Kakao und Vanille umhüllt sind und genauso gut schmecken, wie sie riechen.

22.09.2014 Normandie, Dieppe - Charcutrie und Kämpfer der Resistance
Essen im Schaufenster
Nachdem wir bis fast 2.00 Uhr nachts kein freies Hotel in der Gegend um Amsterdam fanden, übernachteten wir irgendwo in einem holländischem Motel an der Autobahn. Heute sind wir nun in Dieppe gelandet, einem Küstenort in der Normandie, und wieder suchen wir vergeblich nach einem erschwinglichen kleinen Hotel, so dass wir schließlich notgedrungen in einem großen und sehr teueren Hotel am Strand übernachten. Ich fange schon an, mich zu fragen, ob ein Pauschalurlaub nicht doch seine Vorteile hat, weil alles durchorganisiert ist, aber unser „Gite“, so nennt man eine kleine Ferienwohnung, in Ourville-la-Riviére überzeugt mich, dass es sich doch lohnt, sich vor Ort etwas zu suchen. Der Ort besteht nur aus einer handvoll Häuser und es ist himmlisch ruhig. Unsere Vermieterin verwöhnt uns morgens mit selbstgemachten Konfitüren.

Dieppe erinnert mich mit seiner riesigen Steilküste an Rügen. Abends essen wir im „New Haven“ und obwohl ich schon viele Male in Frankreich fantastisch gegessen habe, ist dies wohl das beste Menü, das ich jemals genoss: warmer Schafskäsesalat, Meeresfrüchteteller und „Ile flotant“ eine traumhafte Crème. Bretagne Restaurant Am folgenden Tag lassen wir uns nicht davon abschrecken, dass es schon relativ kühl ist und machen ein Picknick am Strand. Wir decken uns dazu in einer „Charcutrie“ ein. Charcutrie bezeichnet sowohl das, was man in Deutschland als „Aufschnitt“ bezeichnet, als auch ein Geschäft, in dem ausschließlich frische Waren angeboten werden , wie Salate, Quiches und Pasteten in allen Variationen. Bei uns würde so ein Geschäft wohl am ehesten als Delikatessengeschäft bezeichnet werden.

Etwas für die Normandie sehr Bezeichnendes ist die Allgegenwärtigkeit des zweiten und ersten Weltkriegs. Soldatenfriedhöfe und Denkmale erinnern an den Einmarsch der Deutschen im ersten und an die Landung der Alliierten im zweiten Weltkrieg. GallionAußerdem gibt es auch Denkmale, die den Kämpfern der Resistance gewidmet sind.

Auf der Fahrt nach Dieppe besuchen wir den kleinen Ort Guise, in dem sich das Grab der Großeltern meines Freundes befindet. In Frankreich ist es üblich, kleine Marmorplatten auf die Gräber zu stellen mit Aufschriften wie zum Beispiel „Für meine Eltern“ oder „Unserer Schwester“ etc. Auf dem Grab des Großvaters steht eine kleine Grabplatte mit der Aufschrift „Les ancients combatants“ – Die ehemaligen Kämpfer. Während dies In Deutschland ungute militaristische Assoziationen wecken würde, ist die Bedeutung in Frankreich eine völlig andere, denn hier werden damit diejenigen bezeichnet, die gegen die Besatzung gekämpft und in der Resistance ihr Leben riskiert haben.

Ich versuche, mich ein wenig mit der Geschichte der Bretagne und der Normandie vertraut zu machen. Die bretonische Geschichte ist durch die Tatsache beeinflusst, dass die normannischen Herzöge über lange Zeit auch englische Könige waren und somit eine Doppelfunktion innehatten. Während die Franzosen die Herrschaftsansprüche der englischen Krone als Anmaßung ansehen, habe ich als Nichtfranzösin durchaus vor Augen, dass es ja ursprünglich die Normannen waren, die zuerst die Herrschaft in England an sich rissen. Und irgendwie meint man, manchmal immer noch einen Hauch der alten Erbfeindschaft zu spüren. Die von den Engländern als „Kollateralschaden“ bezeichneten Bombardierungen im zweiten Weltkrieg haben im wahrsten Sinne Feuer auf die alten Wunden gegossen.

21.09.2014 Amsterdam- Prostituierte hinter Glas und Stadt der Fahrräder
Auf dem Weg nach Frankreich machen wir einen Zwischenstopp in Amsterdam. Ich war das letzte Mal im Alter von ca. 15 Jahren in Amsterdam und habe kaum noch verlässliche Erinnerung. Jetzt scheint mir Amsterdam eine ähnliche Entwicklung wie auch Hamburg gemacht zu haben, denn während es früher eine absolute Ausnahme darstellte, dass zu Restaurants auch draußen befindliche Tische gehören, so ist dies heute gang und gäbe. Amsterdam RotlichtviertelEntsprechend enger aber auch lebhafter wird es auf der Straße. Nachdem wir tatsächlich einen Parkplatz gefunden haben, drängen wir uns also durch die engen Gassen. Wir passieren dabei auch das Rotlichtviertel. Als Hamburgerin ist dies für mich absolut nichts Ungewöhnliches, denn es ist nicht viel anders als unsere Herbertstraße auf St.Pauli. Allerdings war ich dort schon gefühlte hundert Jahre nicht mehr und so war es irgendwie doch ein wenig ungewohnt, zumal damals die Frauen mehr oder weniger gelangweilt in den Schaufenstern saßen und dabei lasen, sich unterhielten oder strickten, während sich jetzt die Frauen eng an die Scheibe pressen und dabei nervös mit den Fingerspitzen auf die Fensterscheibe trommeln.

Diesmal sah ich auch das erste Mal Coffeeshops. Schwer vorstellbar, dass es in Deutschland möglich wäre, ganz legal einfach so ein paar Gramm Haschisch abwiegen zu lassen, als würde es sich um Gewürze oder Tee handeln. Es macht auch niemand den Eindruck, vollgedröhnt zu sein, sondern diejenigen, die an den Tischen sitzen unterhalten sich meist angeregt.

Was besonders beeindruckend ist, sind die Unmengen von Fahrrädern, die nicht nur mitsamt ihren Fahrern präsent sind, sondern auch durch die riesigen Fahrradparkplätze. Fahrraeder AmsterdamMan kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass jemand in der Lage ist, unter den tausenden von Fahrrädern, die sich auf einem einzigen Parkplatz befinden, sein eigenes Rad wieder zu finden.

Alles in allem ist Amsterdam doch etwas hektisch und so freue ich mich, dass es morgen weiter Richtung Frankreich geht.



Donnerstag, 10. April 2014
Sich an fremden Orten wie zuhause fühlen
Obwohl ich ja eigentlich gar nicht mehr soviel in andere Blogs gucken will, habe ich gerade eine sehr lesenswerte Umfrage im Blog von Sturmfrau gelesen. Das Thema des Beitrags lautet Heimat. Und obwohl Reisen im Grunde das Gegenteil von Heimat ist, fiel mir beim nochmaligen Lesen nicht mein Heimatort, sondern meine Reisen nach Griechenland ein.

Ich bin sehr heimatverbunden, aber mit Anfang zwanzig verliebte ich mich in Griechenland. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, denn der erste Urlaub gefiel mir nur mittelmäßig, mir war das Land viel zu heiß und die Landschaft viel zu karg und ausgedörrt. Aber beim zweiten Urlaub funkte es. Plötzlich war mir Griechenland so vertraut, dass ich mich dort sofort wie zuhause fühlte. Ich liebte die Musik – Rembetiko und Tsifteteli – , das Essen, die weißen Häuser mit den daran hochrankenden Bougainvillea, die Tavernen und überhaupt alles. Ich begann Griechisch zu lernen und verbrachte jeden Urlaub in Griechenland.

Das Merkwürdige war, dass ich, wenn ich in einem griechischen Dorf in einer Taverne oder einer Ouzerie saß, sofort zu einer Gelassenheit und Ruhe fand, die ich hier in Deutschland so noch nie empfunden habe. Einfach nur da zu sitzen und zu gucken – ohne Erwartung, ohne konkrete Ziele und Pläne – das war mir in der Form nur in Griechenland möglich.

Ich glaube nicht an frühere Leben. Aber wenn ich dran glauben würde, dann wäre ich mir sicher, dass zumindest eines meiner früheren Leben sich in Griechenland abspielte.

Ich stelle mir gerade eine typische Situation vor: eine Taverne zur Mittagszeit. Man hört nur das Zirpen der Grillen und sonst nichts. Es riecht nach Thymian und Zitronenmelisse. Alles ist überaus einfach, aber nichts fehlt. Neben mir alte Männer, die schweigend ihren Kaffee aus winzigen Tassen schlürfen. Es passiert überhaupt nichts und es muss auch überhaupt nichts passieren. Es ist perfekt.

Wieso kann man in einem fremden Land mehr zur Ruhe kommen als im eigenen?


„Die Seele findet in Griechenland ihren Hafen, denn es lässt kein Begehren ungestillt.“
Johannes Gaitanides



Dienstag, 6. August 2013
Im Lande der Pagoden - Endspurt
16.08.13 Wieder zurück in Hamburg
Fortsetzung von hier.

Seit drei Tagen bin ich wieder zurück in Hamburg. Da wir mit Emirates-Airlines flogen, konnten wir ein Stopover in Dubai einlegen. Das ist aber einen eigenen Beitrag wert. Hier werde ich auch noch Bilder einfügen (was bei mir aber immer ein wenig dauert).

Wie schon beschrieben, war das Viertel in Yangon, in dem wir die letzten zwei Tage verbrachten völlig anders als das Zentrum, in welchen sich unser Hotel für die Ankunft befand. Es wurde überdeutlich, welch große soziale Unterschiede es in Burma gibt.

Für die Fahrt vom Inle-See nach Yangon hatten wir wieder den Nachtbus für V.I.Ps gebucht. Breite Sitze und sogar eine Toilette an Bord. Letzteres war dann aber der Grund, warum ich kaum ein Auge zugemacht habe, denn unsere Sitze lagen fast gegenüber. Es ging ständig jemand aufs Clo und ließ dann unglücklicherweise die Tür offen, die dann bei der kurvigen Strecke ständig laut hin- und her knallte. Dabei fing die Fahrt sehr nett an, denn der Pick up war international besetzt: eine Spanierin, ein Mongole, eine Mexikanerin, ein Ukrainer, ein Burmese, zwei Irländerinnen, ein Pole, zwei Franzosen und eine Deutsche! Da wir manchmal übermäßig lange auf die abzuholenden Mitfahrer warten mussten, ergaben sich natürlich Gespräche, die bei soviel unterschiedlichen Nationalitäten wie immer witzig und höchst interessant waren.

In Yangon gingen wir dann das erste Mal in unserem Leben japanisch Essen. Wir waren im Erdgeschoss die einzigen Gäste und man konnte vom Tisch ein wenig in die Küche sehen. Ich zählte 13 (!) Mitarbeiter. Die Mitarbeiterzahl ist ein spezielles Phänomen in Asien. Ob es sich um ein Hotel, ein Restaurant oder aber um Straßenbau handelt – es sind wesentlich mehr Menschen beschäftigt als bei uns.

Ich habe mir übrigens eine Packung Thanakha-Creme mitgebracht. Dies ist eine gelbe Creme, die aus dem Thanakhabaum gewonnen wird, indem man ein etwa armdickes Aststück auf einer Steinscheibe reibt und das entstehende Puder mit etwas Wasser anrührt. Das wird hier http://blog.aseankorea.org/archives/1470 ganz gut dargestellt. Aber natürlich habe ich auch ein Bild gemacht.

Das kleine Mädchen hat in einer Pagode Blumenkränze verkauft. Sie war sehr lebhaft und wir haben uns dann mit Händen und Füßen unterhalten. Sie war besonders von meinen Goldkronen beeindruckt, die ich immer wieder zeigen musste. Bei ihr ist die Paste besonders schön aufgetragen in Form eines Blatts. Andere reiben sich fast vollständig das Gesicht ein, was dann manchmal ein wenig an ein Gespenst erinnert. Tannapaste wird in Burma von fast jeder Frau (manchmal auch von Jungen und Männern) gleich welchen Alters benutzt. So bestand auch die ältere Dame, die ich hier in einem burmesischen Altenheim fotografierte, auf das vorherige Schminken mit der Paste. Man kann neben ihr noch die für das Reiben erforderliche Steinscheibe sehen.

Bei dem kleinen Mädchen war übrigens erstaunlich, wie geschickt sie das Tablett auf dem Kopf balancierte. Obwohl sie sehr lebhaft war und wie alle Kinder herumtobte, kam das Tablet noch nicht einmal ins Wackeln.

10.08.13 Yangon
Sind nach zwei Tagen Yangon jetzt im Flughafen und warten auf den Flug nach Bangkok. Waehrend der zwei Tage hatten wir ein voellig anderes Yangon kennengelernt. Wir hatten uns in der Naehe des Inya-Sees ein Zimmer genommen und bei diesem Viertel handelte es sich um ein Geschaeftsviertel. Waehrend das Zentrum voller kleiner Ein-Mann-Supermaerkte und unzaehliger Essensstaende ist, gab es in diesem Viertel nur extrem teure Geschaefte. Wenn man dem Reisefuehrer glauben kann, betraegt das Pro-Kopf-Einkommen nur rund 40,00 Euro und so wundert man sich, dass das Hotel pro Nacht 60,00 Dollar kostet.

Mein Vater sagte mal, dass manche deutsche Frauen nur in Urlaub fahren, um sich darueber zu mokieren, wie schmutzig es woanders ist. Ich bin deswegen vorsichtig mit Meckern ueber Schmutz. Bei unserem Zimmer allerdings fiel mir dies schwer, denn es war wirklich saudreckig. Dies kann uebrigens nicht daran liegen, dass es zuwenig Personal gibt, denn im Empfangsraum/Foyer stehen oder sitzen jede Menge Angestellte, deren Aufgabe einzig allein darin besteht, sofort die Tuer aufzuhalten, wenn man hinausgehen moechte. Ein Service, auf den ich gern verzichten koennte, da ich keine Ma'am Sahib sein will.

Man sieht, dass diese Art von Hotels trotz des zahlreichen Personals langsam vermodern und zerfallen, denn es werden auch keine Reparaturen ausgefuehrt.

Erstaunlich ist, dass die billigeren Hotels sehr viel sauberer sind. Anscheinend ist dieses Missverhaltnis darin begruendet, dass einige Hotels privat und andere staatlich betrieben werden.

06.08.2013 Inle-See
Gestern haben wir unsere Tour auf dem Inle-See gemacht. Gemeinsam mit dem Franzosen David hatten wir uns ein schmales Motorboot gemietet. Man kann gar nicht alle Eindruecke beschreiben, so viel haben wir gesehen. Die Seebewohner haben schwimmende Gaerten angelegt, in denen sogar Tomaten (!) wachsen. Wie das funktioniert weiss ich nicht. Geerntet wird dann von den schmalen Booten aus.

Es gibt auf dem Inle-See jede Menge Handwerksbetriebe. Ich habe zwar schon Seidenspinnereien und Webereien gesehen, aber mir war nicht bekannt, dass man auch aus den Stengeln von Lotosblueten Garn spinnen kann. Die Fasern sind so fein wie Spinnweben und werden zuerst per Hand zusammengerollt und dann werden immer wieder neue Fasern angefuegt und der Faden wird dann gesponnen. Im fertigen Stoff sieht das Garn allerdings groeber als Seide aus.

Ausserdem haben wir auch eine Schmiede, eine Zigarrenfertigung und eine Silberschmiede gesehen. Es ist hochinteressant, zu sehen, wie diese Dinge entstehen. Natuerlich wollen die Handwerker auch etwas verkaufen, aber auch wenn man dies nicht tut, bleiben die Handwerker freundlich.

Heute morgen haben wir unser Fruehstuck auf drei Stunden ausgedehnt, weil wir lebhaft diskutiert haben. David interessiert sich fuer Geschichte und so bleibt es nicht aus, dass wir auch viel ueber Deutschland gesprochen haben. Die Zeit verging allerdings wie im Flug und hinterher fiel mir auf, dass ich schon sehr lange nicht mehr so diskutiert habe.

Wir werden morgen alle drei den V.I.P.-Bus (der heisst wirklich so!) nehmen und nachts nach Yangon zurueck fahren. Dort werden wir versuchen, fuer die beiden letzten Tage ein ruhiges Guesthouse etwas ausserhalb zu finden. Es gibt in Yangoon zwei Seen, vielleicht finden wir ja dort etwas.

Uebrigens habe ich in Mandalay das erste Mal auch Kindernonnen gesehen. Dass Jungen zeitweilig ins Kloster gehen, ist in fast allen asiatischen Laendern normal, aber Maedchen hatte ich noch nie gesehen. Die Maedchen und jungen Frauen tragen nicht wie die Jungen ein oranges oder rotes Moenchsgewand, sondern ein Gewand, dass aus einer Art weisser Bluse besteht und ein rosa (!) Uebergewand. Sehr ungewoehnlich. Die jungen Nonnen sammeln auch nicht wie die Moenche morgens um 6.00 Uhr die Almosen, sondern zweimal in der Woche ueber den ganzen Tag verteilt.

Jetzt haette ich fast ein wichtiges Detail vergessen: die Einbeinruderer! Die Fischer auf dem Inlesee rudern nicht mit den Armen, sondern mit einem Bein. Das funktioniert, indem sie einen Fuss hinter die lange Ruderstange klemmen. Ich habe natuerlich Fotos gemacht, weil man das schlecht beschreiben kann. Der Sinn dieses speziellen Ruderns ist, dass die Haende frei bleiben fuer das Einholen der Netze.



Donnerstag, 1. August 2013
05.08.2013 Inle-See
Urlaubslektuere
Ich habe es vor diesem Urlaub endlich einmal geschafft, mir ein Buch zu besorgen, das von dem Land handelt, in das ich reise. "Das Herzenhoeren" erzaelt die tieftraurige Liebesgeschichte von zwei besonderen Menschen - die Seelenzwillinge Tin Win und Mi Mi - die fuereinander bestimmt sind, aber durch widrige Umstaende getrennt werden. Erst nach 50 Jahren, als Mi Mi im Sterben liegt, findet Tin Win zu ihr und beide finden im Tod zusammen. Es gibt ein altes burmesisches Maerchen, das aehnlich endet wie es im Buch beschrieben wird. Dieses Maerchen wird von den Europaeern als ungluecklich endend empfunden, waehrend die Burmesen es als einen ausgesprochen gluecklichen Umstand empfinden, im Tod vereint zu sein.

Das zweite Buch habe ich hier geschenkt bekommen: "Tage in Burma" von Georges Orwell. Waehrend ich das erste Buch sehr schnell verschlungen habe (obwohl dies bei mir sehr unueblich ist, denn ich lese fast nur noch Sachbuecher), geht es mit Orwells Buch langsam voran. Es handelt von den waehrend der englischen Kolonialzeit in Burma lebenden Englaendern und gibt ein sehr erschreckendes Bild von der Einstellung gegenueber den Einheimischen ab. Es ist kaum ertraeglich, ueber viele Seiten hinweg mit durch und durch unsympathischen Charakteren konfrontiert zu sein. Vergleichbar ist dies fuer mich nur mit E. Brontes "Strumhoehe", in dem ein Charakter widerlicher als der andere war, weswegen ich den grossen Erfolg des Buches auch nicht nachempfinden konnte.

Ein Buch nimmt den Leser oftmals mit in eine andere Zeit, zu anderen Menschen oder in eine andere Gesellschaft. Und in der Gesellschaft der Englaender im Burma des Jahres 1927 fuehle ich mich nicht wohl. Es gibt lediglich eine literarische Figur - John Flory - der so etwas wie Achtung und Sympathie fur die Burmesen empfindet. Aber da er gleichzeitig sehr feige ist und die Konfrontation mit den anderen Englaendern scheut, faellt er seinem burmesischen Freund in den Ruecken. Mir fehlt in dem Buch ein Lichtblick. Es tritt zwar irgendwann eine Englaenderin auf, in die Flory sich verliebt, aber diese stellt sich ziemlich schnell als mindestens genauso rassistisch heraus wie die uebrigen Englaender.

Georges Orwell wollte mit dem Buch seine Abneigung gegen den Imperialismus ausdruecken, was ihm zweifelsohne auch gelungen ist. Er hat auch irgendwann die Konsequenz seiner Einstellung gezogen und seinen Dienst in den Kolonien quittiert.

Ich denke, ich werde aber trotzdem durchhalten und das Buch zuende lesen.



Dienstag, 23. Juli 2013
Im Land der Pagoden - Burma zweiter Anlauf
03.08.2013 Inle-See
Nach siebenstuendiger Busfahrt sind wir heute am Inle-See angekommen. Wir wohnen im "Teak-Wood-Hotel" und haben einen kleinen Balkon, von dem aus wir die Berge sehen koennen und auf dem viele Orchideen bluehen. Leider regenet es hier genauso viel wie schon in Yangon. Aber wir werden uns dadurch nicht davon abhalten lassen, eine Bootsfahrt zu machen. Ich bin schon sehr gespannt auf die schwimmenden Gaerten.

Eine Bootsfahrt auf dem Ayarwaddy haben wir auch vorgestern gemacht. Wir fuhren gegen 17.00 Uhr los um den Sonnenuntergang zu sehen und wurden auch nicht enttaeuscht. Den Weg zur Anlegestelle haben wir wieder mit "unserem" Fahrer gemacht. Ton-Ton spricht sehr gut Englisch und erklaert alles sehr toll. Und als wir abends mit unserer Reisebekanntschaft Kathi, einer sehr netten jungen Deutschen, beim Essen waren, tauchte Ton-Ton ploetzlich auf und gab mir und Kathi ein Geschenk. Ich erhielt ein kleines Tablett und Kathi eine Lackdose. Es ist sehr beruehrend, wenn jemand, der wirklich nur sehr wenig Geld hat, etwas liebevoll ausgesuchtes verschenkt.

Ton-Ton war schon viermal als Moench im Kloster, was in Burma fuer viele junge Maenner normal ist. Gestern erklaerte er uns wieder sehr viel. Wir haben uns naemlich ausnahmsweise mal keine Pagode angesehen, sondern ein Altenheim! Darueber werde ich noch ausfuehrlicher in meinem anderen Blog schreiben. Ton-Ton uebersetzte fuer uns, dass die Bewohner jeden Tag regelmaessig fuenfmal meditieren. Alle 17 Bewohner wirkten erstaunlich agil.

Weiter geht es hier.

01.08.2013 Bagan
Ich sehe gerade mit Schrecken, dass beim Schreiben neuer
Berichte ein Teil des zuerst geschriebenen nicht wieder gespeichert wurde. Ich muss mir wohl etwas einfallen lassen, wie ich das verhindere.

Gestern haben wir mit der Pferdekutsche die riesige Pagodenanlage in Bagan erkundigt. Abends gegen 6.00 Uhr sind wir dann zu einer sehr grossen und hohen Pagode gefahren um uns den Sonnenuntergang anzusehen. Man kann es kaum mit Worten beschreiben, wie beeindruckend der Anblick der unzaehligen Pagoden im Licht der untergehenden Sonne ist. Ich bin leider nicht schwindelfrei und kann auf sehr hohe Gebaeude nur gehen, wenn es ein sicheres Gelaender gibt, was aber nicht der Fall war. Aber auch auf mittlerer Hoehe konnte man weit ueber die Pagodenanlage sehen. Ich habe das erste Mal in meinem Leben einen Regenbogen gesehen, ohne dass es zuvor geregnet hat. Erst ganz winzig kurz ueber dem Horizont, dann immer groesser werdend und schliesslich tatsaechlich einen vollen Halbkreis fast vom Horizont zum Horizont reichend. Ich sah zeitweiig noch einen zweiten parallelen Regenbogen, den ich aber fuer eine Sinnestaeuschung hielt. Aber der zweite Regenbogen war durchaus real, wie ich im Gespspaech mit anderen erfuhr, die dies auch beobachtet hatten.

Heute werden wir wahrscheinlich mit der Pferdekutsche zum Fluss fahren.

30.07.2013 Bagan
Nach sehr kurzer Fahrt - keine 5 Stunden - sind wir in Bagan angekommen. Wir haben uns einen wirklich schoenen Bungalow gegoennt. Und hier in Bagan, genauer gesagt im Ortsteil Nyaung U, treffen wir zum ersten Mal auf viele andere Touristen.

Bagan ist ein Tempelareal von 40 qkm Groesse und ist vergleichbar mit Ankor Wat. Waehrend ca. 250 Jahren wurden von jedem Herrscher Pagoden gebaut, so dass sich 2230 Monumente auf dem Gebiet befinden. Zu Fuss kann man das alles gar nicht erkunden und so werden wir morgen mit dem hier ueblichen Verkehrsmittel, einer Pferdekutsche, einen Tag lang die Pagoden besichtigen. Jetzt werden wir erstmal in einem der vielen schoenen Restaurants etwas essen.

Gestern haben wir uns etwas Luxus gegoennt und eine Fussmassage genossen. Seltsamerweise begann die mit den Haenden und endete mit dem Kopf. Es war immer hart an der Schmerzgrenze. Ich habe seit etwa meinem 18 Lebensjahr wegen einer Nierensache Gewebeienlagerungen in den Knoecheln. Gestern hatte ich das erste Mal das Gefuehl, dass es eine Behandlung gibt, die das Problem angeht. In Deutschland gibt es immer nur so eine Streichelmassage, die keine Wirkung hat. Vielleicht suche ich nach dem Urlaub mal eine asiatische Masseurin auf.

29.07.2013 Mandalay
Nachdem wir drei Tage in Toungoo verbracht haben, sind wir vorgestern weiter nach Mandalay gefahren und haben gestern mit einem Fahrer mit einem Pickup die Stadt erkundet. Dabei haben wir uns die Goldschlaeger angesehen, die das Blattgold fuer die Pagoden anfertigen. In Burma wird sehr viel Blattgold angefertigt, da es fuer viele Glaeubige zum Besuch einer Pagode gehoert, das Blattgold auf die Buddhastatuen zu streichen. Auf diese Weise hat der Mahamuni-Buddha in der Mahamunipagode in Mandalay schon sehr klobige Konturen angenommen, so viel Blattgold wird da tagtaeglich angebracht. Das Anfertigen des Blattgolds ist eine Knochenarbeit, denn bis das Gold hauchduenn ist (duenner als ein Tintenstrich!) vergehen Stunden. Die Goldschlaeger arbeiten in einem gleichmaessigen Takt, den man schon von weitem hoeren kann.

Wir sahen uns dann noch den Koenigspalast, ein sehr altes Kloster, eine Schnitzerei und die Hauptpagode an. Den Sonnenuntergang sahen wir uns dann vom Ufer des Ayarwaddy an und anschliessend assen wir alle gemeinsam in einem muslimischen Restaurant. Momentan ist ja Fastenzeit, so dass man dort nur nach Einbruch der Dunkelheit essen kann.

Von der Fahrt mit dem Zug nach Mandalay wurde uns abgeraten, weil es fuerchterlich wackeln und rumpeln wuerde. Dies war dann auch in der Tat so, wobei man sagen muss, dass die Sitze aeusserst bequem und gross waren, der Zug stammte noch aus Urzeiten von den Englaendern. Allerdings wurden wir vollauf mit dem Blick auf die Landschaft entschaedigt. Wasserbueffel, unendliche Reisfelder, und kleine Doerfer, deren Haeuser aus Basthuetten auf Stelzen bestanden. Und ueberall Kinder, die dem Zug zuwinkten.

Die genauen Namen der einzelnen Staetten werde ich noch nachtraeglich einfuegen. Es ist nicht so ganz leicht, fluessig zu schreiben, da andauernd der PC abstuerzt. Ich schreibe also immer nur ein paar Saetze und speichere dann, damit ich nicht wieder alles nochmals schreiben muss. Das Abrufen meiner Mails klappt leider momentan nicht, da die Verbindung immer vorher unterbrochen wird. Aber ein paar Tage werde ich wohl auch ohne Mails auskommen, zumal alle wissen, dass ich in Urlaub bin. Hat ja frueher auch bestens geklappt (Zur Not einfach hier einen Kommentar schreiben, falls es etwas Wichtiges gibt!)

Wir wohnen zur Zeit in der "Rich queen", da es uns wieder passierte, dass das gewuenschte Guesthouse ausgebucht war. Irgendwie hatten wir zuerst den Eindruck, dass es sich auch um ein Stundenhotel handeln koennte, da es nachts extrem laut hergeht und ausserdem nachts merkwuerdige Gestalten ein- und ausgehen, so dass wir das Hotel in "Dragqueen" umgetauft haben. Heute nacht war es aber einigermassen ruhig. Vielleicht haben wir aber auch nur felsenfest geschlafen, denn nach der Erkundigung der Stadt waren wir voellig geschafft.

Waehrend es in Toungoo ununterbrochen regnete, ist es hier in Mandalay sehr heiss. In Toungoo hatten wir noch ein nettes Erlebnis, als wir am letzten Abend nach Einbruch der Dunkelheit vergeblich ein Mopedtaxi suchten. Wir fragten jemanden nach dem Stand von den Mopedtaxis, aber fanden dennoch keines. Derjenige, den wir gefragt hatten, war uns hinterher gefahren um zu sehen, ob wir es auch finden. Als er sah, dass wir nicht fuendig wurden, bot er uns an, uns zu unserem Guesthouse zu fahren. Wir lehnten erstmal ab, da es uns doch etwas zu waghalsig erschien, zu dritt auf einem Moped zu fahren. Der junge Burmese ueberredete uns dann schliesslich aber doch und wir zwaengten uns dann auf den Sitz und fuhren die aufgeweichten Wege durch knoechelhohe Pfuetzen schlenkernd zum Hotel, wo wir dann voellig durchnaesst ankamen und heilfroh waren, dass wir die Fahrt ueberstanden haben.

25.07.2013 Toungoo
Es kommt alles anders als geplant, denn unser Guesthouse in den Reisfeldern war telefonisch nicht erreichbar und so sind wir in einem anderen gelandet. Da es inzwischen stockfinster ist, koennen wir gar nicht genau sehen, wie es um uns herum aussieht.

Die Fahrt hat nur 4 Stunden gedauert und wir waren die einzigen Touristen im Bus. Da niemand Englisch sprach, war es nicht so einfach zu wissen, wo wir denn genau aussteigen muessen. Aber irgendwie hat es mit der Hilfe aller Fahrgaeste dann doch geklappt (das tut es meistens). Allerdings war anscheinend niemand da, der uns wie vereinbart abholen sollte. Und jetzt muss ich eine Eigenart meines Freundes schildern, die auf Reisen immer wieder auftritt. Mein Freund geht grundsaetzlich davon aus, dass alle Menschen uns berauben wollen. Als wir also gerade aus dem Bus steigen wollten, kam eine Gruppe von Fahrern auf uns zu und fragte "Where go?" Ich nannte den Namen des Guesthouses - Motherhouse - und schon rissen sich alle darum, uns die Rucksaecke abzunehmen. Waehrend mir klar war, dass es dabei einfach nur um die Moeglichkeit eines Verdienstes geht, schien sich fuer meinen Freund die Ausraub-Theorie zu bestaetigen. Als dann noch derjenige, der seinen Rucksack ergattert hatte, wie ein Wiesel weglief, lief mein Freund dann wutentbrand hinter her. Ich versuchte (wie immer) zu schlichten und zu regeln, wie wir denn nun zum Guesthouse kommen, denn es handelte sich nicht um Taxichauffeure, sondern um Mopedchauffeure. Jeder von uns bekam dann einen hinteren Sitzplatz und die Rucksaecke wurden vorne auf den Tank gelegt. Dies alles bei stroemendem Regen und Dunkelheit (auch die Mopeds hatten kein normales Scheinwerferlicht). Aber jetzt sind wir hier, haben schon toll gegessen, das Moskitonetz ist auch angebracht, die Klamotten trocknen und wir werden sehen.

Der Ort scheint manchmal auch von Pilgern besucht zu werden, da es auch hier mindestens drei Pagoden gibt. Und es gibt einen Platz etwa 30 km von hier, an dem Arbeitselefanten trainiert und wohl auch aufgezogen werden. Das Schleppen der Holzstaemme wird fast ueberall noch von Elefanten ausgefuehrt, da grosse Fahrzeuge nicht wendig genug sind. Vielleicht ist dies ein gutes Zeichen, denn wenn rigoros gerodet wird, dann haben Grossfahrzeuge keine Probleme. Ich sitze hier in einem Nebenraum der Rezeption und mir faellt just das grosse Foto an der Wand auf, auf dem mindestens 40 Elefanten zu sehen sind.

Die Technik hat uebrigens auch in Burma rasant Einzug genommen und gleichzeitig hat sich die Art des Reisens auch geaendert. Als wir uns nach der Moeglichkeit zur Nutzung von Internet erkundigten, fragte der Hotelwirt ganz erstaunt, warum wir denn keinen Laptop bei uns haetten. Und er hat auch recht, denn in der Tat haben viele ihr Smartphone oder ihr Laptop dabei. Irgendwann wird es dann wahrscheinlich kaum noch Internetcafes geben. Mir kam es vor drei Jahren bei meinem Malysiaurlaub auf Perhentian schon sehr komisch vor, als ein junger Japaner seinen Laptopkoffer dabei hatte. Perhentian ist eine richtige Robinson-Insel, endlos lange Straende, keine Hotels sondern nur Huetten und Strom gibt es nur am Tage ueber einen Generator. Es gab noch nicht einmal eine richtige Anlegestelle, sondern man musste mitsamt Rucksack das letzte Stueck durchs Wasser waten. Und dann springt dieser junge Japaner mitsamt schicken Laptopkoffer ins Wasser - irgendwie passt das nicht so ganz. Aber ich hinke ja immer etwas hinterher.

Die Burmesen waren bisher sehr nett. Am Busbahnhof wollte jemand unbedingt unsere E-Mailadresse, weil er uns schreiben will. Er spricht allerdings kaum Englisch und hat auch keine eigene Mailadresse, sondern will an seiner Arbeitsstelle an uns schreiben. Sollte er dies wirklich tun, dann werde ich mal nachsehen, ob der Googleuebersetzer auch Burmesisch auf Lager hat und dann auf jeden Fall antworten.

Gestern haben wir eine alleinerziehende Mutter kennengelernt, die gemeinsam mit ihrer siebenjaehrigen Tochter reist. Ich finde das sehr mutig, denn das Reisen in diesen Laendern ist nicht immer einfach. Fruehere Kollegen von mir haben mal gesagt, dass es unverantwortlich ist, mit Kindern nach Asien zu reisen. Wie gut, dass es Menschen gibt, die diesen Unsinn nicht glauben. Die kleine Tochter machte ueberhaupt nicht den Eindruck, dass es ihr zu anstrengend war und sie brachte uns mit ihren witzigen kindlichen Kommentaren oft zum Lachen.

23.07.2013 Yangon
Vorgestern sind wir in Yangon angekommen. Mein letzter Asienurlaub liegt ueber drei Jahre zurueck und wie immer ist es ein Erlebnis, wenn man aus dem Airport kommt. Die Gerueche, das Stimmengewirr und das quirlige Treiben sind immer wieder von neuem beeindruckend.

Wir waren gleich am ersten Tag noch in der Shwegadon-Pagode, obwohl sie nur noch eine Stunde geoeffnet war und man eigentlich viel laenger braucht um alles zu sehen. Dafuer waren wir aber fast allein und es war ueberwaeltigend diese vielen, vielen Buddhastatuen und die riesige goldglaenzende Stupa zu sehen. Gestern waren wir noch einmal dort und es war extrem voll, da Vollmond war.
Burma Moench
Uebrigens war es gestern nicht moeglich, in einer Bank Geld zu tauschen. Nicht weil Sonntag war, sondern wegen des Vollmonds!

Auch in Burma hat die Technik Einzug gehalten. Als wir nach einem PC fragten, um zu mailen, war der Hotelmitarbeiter ganz erstaunt und fragte, wieso wir kein Laptop oder Smartphone mitgebracht haetten.

Auch das Fliegen hat sich noch weiter veraendert. Man hat die Auswahl zwischen ca. 100 Videofilmen, fuer die man sich auch die jeweilige Sprache aussuchen kann. Ich sehe mir normalerweise beim Fliegen keine Filme an aber da es das Video “Pi” gab, machte ich eine Ausnahme. Leider konnte ich den Film nicht zuende sehen, aber das kann ich sicher auf dem Rueckflug nachholen und dann werde ich erfahren, welche philosophische Erkenntnis der seltsame Schiffbruch eines Jungen und eines Tigers erbracht hat

Heute waren wir noch bei einer kleineren Pagode ganz in der Naehe unseres Guesthouses, die Sule-Pagode. Dort war ein kleines Schiff an einer Art Drahtseilbahn befestigt, die zu dem Wuenschebuddha hochfaehrt. In das Schiff kann man Geld stecken und sich dann etwas wuenschen. Wer weiss, vielleicht geht es ja in Erfuellung…..

Weiter geht es hier



Mittwoch, 3. Oktober 2012
Polen – nicht so richtig Ausland
03.09.12
Wir haben uns entschlossen, vor unserem einwöchigen Urlaub im Allgäu ein paar Tage nach Polen zu fahren. Heute verbringen wir die dritte Nacht in dem winzigen Ort Chmielén, der etwa 20 km von der Kleinstadt Jelenia Gora entfernt in Schlesien liegt. Wir sind in einer kleinen Pension gelandet, die einem Museum gleicht. Der Besitzer handelt mit Antiquitäten und so gibt es jede Menge wunderschöner alter Möbel und genauso schönem alten Porzellan und anderen alten Hausrat.

Mir kommen die Tage in Polen vor wie eine Zeitreise. Es gibt soviel Gebäude, die seit Jahrzehnten nicht restauriert wurden. Manche sind völlig verfallen, andere sind zwar noch bewohnbar, haben aber eine ziemlich zerbröckelte Fassade und andere wiederum sind liebevoll restauriert. Und alles, was alt ist, wirkt auf mich irgendwie sehr deutsch, wogegen die nicht sehr zahlreichen Neubauten für mich einen undefinierbaren Stil haben, den ich nicht einordnen kann. Vielleicht bilde ich mir dies auch nur ein und hat damit zu tun, dass meine Mutter aus einer polnischen Region stammt, die vor dem Krieg deutsch war und die ich aus Erzählungen eben auch nur als deutsch kenne. Vielleicht liegt es auch daran, dass die deutsche Sprache hier zwar nicht gesprochen wird, aber auf allen alten Beschriftungen noch präsent ist. Die Vorratsdosen aus Porzellan in den Trödelläden sind beispielsweise mit „Mehl“ „Zucker“ „Salz“ e.t.c. beschriftet genauso wie die Teller für Silberhochzeiten und die Gläser mit Namenszügen. Auch die Gedenktafeln an den vielen Kirchen sind in Deutsch beschrieben. Und unser Ort Chmielén ist auf der Karte auch mit „Langwasser“ verzeichnet, genauso wie Jelenia Gora auch „Hirschberg“ heißt.

Ich genieße das Fahren durch die Dörfer, in denen Gänse und Hühner noch auf den Höfen frei herumlaufen. Jetzt blühen gerade die Dahlien und Astern, die die kleinen Vorgärten hinter den schiefen Holzzäunen in allen Farben leuchten lassen. Es hat einen eigentümlichen Reiz, wenn etwas ausnahmsweise mal nicht dem Zeitgeist angepasst, sondern in seiner ursprünglichen Form belassen wurde. Wobei der Grund natürlich nicht in Nostalgie begründet ist, sondern in mangelndem Geld. Ich selbst bin in einem kleinen Bauerndorf geboren und habe als Kind den Sechzigerjahre-Boom miterlebt, in dem jedes Naturmaterial durch Plastik ersetzt wurde. Alte handgedrechselte Bauerntüren wurden herausgerissen und verheizt und durch neue Verbundglastüren ersetzt. Die schönen alten Butzenfenster wurden durch riesige moderne Fensterscheiben ersetzt und ein ehemals schönes Bauernhaus wurde so zu einer Karikatur. Zwar hat man mittlerweile versucht, diese Fehler wieder durch auf alt getrimmte Fenster und Türen zu ersetzen, aber das Resultat ist nicht sehr überzeugend – zumindest nicht, wenn man es auch noch anders kennengelernt hat.

Was mich hier in Polen sehr erstaunt, ist die Tatsache, dass auf der einen Seite viele Häuser aussehen, als würden sie demnächst auseinanderfallen, auf der anderen Seite sieht man aber fast nur nagelneue große Autos. Während anscheinend kein Geld für Farbe oder die Reparatur der Holzwände vorhanden ist, scheint Geld beim Autoverkauf keine Rolle zu spielen. Mein Freund und ich sind erst seit zwei Jahren im Besitz eines Autos, weil uns ein Auto bisher einfach immer zu teuer war. Die Befürchtung meines Freundes, dass unser Auto hier gestohlen werden könnte, ist völlig unbegründet, denn unser 16 Jahre alter Kleinwagen wirkt hier wie ein Museumsstück.

Wundern tut mich auch die Tatsache, dass es nicht nur unseren deutschen „Lidl“ gibt, sondern tatsächlich auch den französischen Carrefour. Und aus Neugier habe ich den auch für den Kauf unseres Reiseproviants aufgesucht – es gab nichts, was ihn von dem französischen Original unterscheidet. Vor etwa zwanzig Jahren erzählte mir eine polnische Kollegin, dass ein polnisches Kaufhaus grundsätzlich leere Regale hatte und selbst eine Reise in die damalige DDR immer eine Art Shopping-Tour in ein Kaufparadies darstellte. Nun gut, zwanzig Jahre kommen einer Generation gleich, innerhalb der sich viel verändern kann. Aber ich kann mir nicht helfen – irgendwie kommt mir der Wandel dennoch zu schnell vor.

An unserem letzten Tag vor der Rückfahrt besuchen wir Jelenia Gora und haben Glück, dass dort gerade Markttag ist. Ich liebe Märkte, egal in welchem Land. Hier macht es den Anschein, als ob es oftmals nicht nur professionelle Händler sind, die ihre Waren anbieten, sondern auch Leute, die irgend ein Produkt wie z.B. Honig, Schmalz, Kräutersaft e.t.c. in kleiner Auflage nebenbei produzieren. Polen Markt
Alles wirkt daher sehr familiär. Auf einer Bühne singen und tanzen Roma-Frauen. Dabei wechselt der Eindruck einer auf Touristen gemünzten Darbietung mit einer Veranstaltung, die auch ohne Publikum so ablaufen würde. Wir sehen uns dies von einem winzig kleinen Café an, dessen Interieur mit seinen vielen Regalen und Dosen an meinen Kaufmannsladen erinnert.

Polen ist auch das Land Karel Woytilas. Auch wenn in jeder Kirche ein Bild des jetzigen Papstes vorhanden ist, so blitzt auch immer irgendwo ein Bild Woytilas aus jungen Tagen hervor. Woytila und Polen sind untrennbar miteinander verbunden. Die Kirchen in Polen sind nach wie vor in erster Linie zum Beten da und erst an zweiter Stelle Denkmäler und Besichtigungsobjekte. Und auch wenn jemand ein Foto machen will, kommt es vor, dass er zuvor auf die Knie fällt.

Kurz vor dem Urlaub hatte ich mir die Dokumentation „Sommer 39“ angesehen, der in eindringlicher und anschaulicher Weise deutlich machte, welch Leid und Zerstörung wir Deutschen diesem Land zugefügt haben. Trotzdem wurden wir während unseres kurzen Urlaubs von den Polen immer freundlich und zuvorkommend behandelt. Ich verlasse dieses Land nachdenklich, denn ich stelle mir vor, wie schmerzhaft es für meine Mutter und meine Großeltern gewesen sein muss, dieses schöne Land für immer verlassen zu müssen. Und mir wird einmal mehr die unbändige Zerstörungskraft des Krieges bewusst, der nicht nur das Leben der Opfer zerstört, sondern auch das der Täter.



Freitag, 14. Oktober 2011
Vierländerurlaub
So richtig Sinn macht es nicht, wenn man ein Reisetagebuch erst nach der Reise schreibt. Aber es gab in diesem Urlaub kaum Internetcafés, weil mittlerweile jeder seinen Laptop mit auf Reisen nimmt und da ich dies nicht gemacht habe – weil es mir verboten wurde, damit ich nicht auch noch im Urlaub arbeite – mache ich jetzt nachträglich ein paar Notizen.

Angefangen mit einer Woche in Bayern – ganz ohne Essen! – in einer F.X.Maier-Fasten-Pension, wo wir viel gewandert sind. Zuvor eine Übernachtung in Homberg im "Lutherischen Jugendgästehaus", einem 500 Jahre alten Gebäude, in dem wir die ruhigste Nacht des ganzen Urlaubs verbracht haben. Als Norddeutsche kann ich mich an den Bergen nicht sattsehen. Abtrieb in der Schweiz Und was ich bisher nur aus dem Fernsehen kenne, habe ich jetzt das erste Mal live gesehen – einen sogenannten Abtrieb, also das Heruntertreiben der Kühe. In Oberstaufen mit einem großen Fest gefeiert. Jede Menge Maß Bier, Lederhosen, Weißwürste (die wir leider nur riechen durften) und Volksmusik.

Dann weiter nach Norditalien, wo eine Autopanne unsere Reisepläne erstmal völlig durcheinander geworfen hat. Statt in einem idyllischen Platz auf dem Lande mussten wir mitten im Industriegebiet Halt machen, wo wir für drei Hotelübernachtungen soviel gezahlt haben, wie sonst noch nie in unserem Leben (und bestimmt auch in Zukunft nicht, es sei denn, ich gewinne im Lotto). Glück im Unglück, denn da es sich um ein Industriegebiet mit jeder Menge Autofabriken handelte, haben wir auch eine Fordwerkstatt gefunden und die Reparatur dauerte nicht länger als anderhalb Tage. Die Stadt Rho haben wir erst beim zweiten Blick schätzen gelernt. Außendrum alles potthässlich, aber mittendrin eine kleine hübsche Altstadt. Aufgrund der mangelnden touristischen Attraktivität waren wir die einzigen Deutschen und konnten dadurch ein bisschen mehr von Italien mitbekommen, als an Urlaubsorten. Was mir auffiel, war, wie oft sich jüngere Menschen um alte Menschen kümmerten, denn man sah immer wieder junge Menschen oder Menschen mittleren Alters, die mit alten Menschen spazieren gingen und sich dabei rührend um die Alten kümmerten.

Eine weitere Besonderheit in Italien waren für mich die überaus üppig ausgestatteten barocken Kirchen, Kircheninnereswobei gar nicht so die üppige Ausstattung das eigentlich Besondere war, sondern die Tatsache, dass sehr viele Menschen in der Kirche beteten. Bei uns handelt es sich bei Kirchen meist entweder um einfache und schlichte Gebäude, die nur zum Gottesdienst besucht werden oder aber es handelt sich um historisch interessante Kirchen, die hauptsächlich von Touristenscharen zum Zweck des Fotografierens aufgesucht werden.Der Anblick von andächtig betenden Gläubigen ist mir bisher eigentlich mehr aus buddhistischen oder hinduistischen Tempeln vertraut.

Mit dem endlich wieder funktionsfähigem Auto ging es dann weiter nach Verona, wo wir den schönen "Castel San Pietro"-Campingplatz gefunden haben, von dem man einen Blick über die ganze Stadt hatte. Blick auf VeronaVerona war ein wenig so, wie ich mir Rom – das ich noch nie besucht habe – vorstelle. Das Colosseum löste bei mir eigentümliche Assoziationen aus, denn ich hatte mir als Reiselektüre ein Geo-Epoche-Heft über das römische Reich mitgenommen, in dem auch über den Alltag der Gladiatoren geschrieben wurde. Da am Abend ein Konzert von George Michael stattfand, machte man im Colosseum einen Soundcheck, bei dem ich an die lauten Fanfaren dachte, die das Auftreten der Gladiatoren ankündigten. Und irgendwie fühlte ich mich dann an dem Ort überhaupt nicht mehr wohl, denn ich musste an das unendlich grausame und unmenschliche Spektakel denken, bei dem sich die reichen Veroner zum Zeitvertreib das in Szene gesetzte Töten ansahen.

Nach zwei Tagen ging es dann weiter nach Chioggia, das in Italien auch „Kleines Venedig“ genannt wird, wo wir auf einem Campingplatz einen Caravan mieteten. Chioggia war sehr schön, aber unser eigentliches Ziel war Venedig, zu dem wir uns um die Parkplatzsuche zu vermeiden, mit endlos vielen Bussen und Schiffen aufmachten. Venedig
So touristisch Venedig auch sein mag – es gibt doch etwas an dieser zauberhaften Stadt, was dem Tourismus trotzt. Ich glaube, es ist einfach eine Entscheidung, ob man Venedig als einen Ort der touristischen Vermarktung ansieht oder ob man diesen Aspekt ausblendet und sich von dieser Stadt in den Bann einer anderen Zeit ziehen lässt. Wenn zum Beispiel der Gondoliere – wir sind natürlich auch Gondel gefahren – stolz auf Häuser hinweist, in denen angeblich Casanova oder Marco Polo gewohnt haben, dann kann man dies stirnrunzelnd als Lüge werten oder aber schmunzelnd als liebevolle Hochstapelei.

Die Rückfahrt traten wir dann über Österreich an, wo wir in dem kleinen Ort Vomp übernachteten und man sich beim Blick aus dem Fenster an Heidi-Filme erinnert fühlte. Das war beim nächsten Ort, dem bayrischen Schliersee, nicht viel anders und als wir dort das riesige Markus Wasmeier Museum
Freilichtmuseum „Markus Wasmeier“ ansahen, fühlte man sich durch die uralten Bauernhäuser und Bauerngärten erst recht an eine andere Zeit erinnert.

Ich hatte mir gewünscht, den Rückweg entlang der romantischen Straße zu fahren und unsere erste Station war die kleine Fachwerkstadt Harburg, in der wir laut französischem Reiseführer die angeblich „plus grand, plus ancien, mieux conservé“ Burg Südbayerns ansahen. Ich mag Burgen, weil mich das Mittelalter interessiert und mich die Vorstellung fasziniert, in den gleichen Räumen zu wandeln, in denen Ritter, Prinzessinnen und Herzöge wohnten.

Am nächsten Tag ging es dann über Würzburg nach Augsburg, wo ich mir unbedingt die Fuggerei ansehen wollte. Der reiche Kaufmann Jakob Fugger hatte im Jahr 1521 für bedürftige Bürger eine Wohnsiedlung gebaut, die gern als älteste Sozialsiedlung der Welt bezeichnet wird. Die Monatsmiete beträgt tatsächlich noch den gleichen Preis wie vor rund 500 Jahren, nämlich den Gegenwert eines rheinischen Guldens, der heute umgerechnet 0,88 Euro beträgt. FuggereiWas ich aber viel bemerkenswerter finde, ist die Tatsache, dass die Bürger neben dieser auch damals schon sehr geringen Miete noch eine andere Leistung für den Stifter erbringen mussten: nämlich täglich drei Gebete! Wenn man jetzt man den Oberlehrer-Standpunkt außer Acht lässt, demzufolge sowieso jeder Gläubige ein hirnloser Idiot ist, dann kann man sich über die Weise, wie sich ein schwerreicher Geschäftsmann seinen Platz im Himmelreich sichern will, nur wundern. Eine clevere Art, neben dem durch den Ablasshandel von der Kirche garantierten Platz im Himmel auch noch das gemeine Volk für das Seelenheil einzuspannen. Das bestärkt einmal mehr meine Ansicht, dass Geschäftsmänner eisern die Regel befolgen, niemals etwas umsonst zu tun.

Nächste Station war Rotenburg ob der Tauber. Die ganze Stadt, die von einer riesigen Stadtmauer umgeben ist, könnte ohne viel Umgestaltung als Filmkulisse für im Mittelalter spielende Filme genutzt werden. Wie es aber nun mal so ist mit schönen Orten, finden auch viele andere diese Orte sehenswert und so ist man zwangsläufig nie allein, sondern befindet sich immer in einer Menschenmenge. Eine Entscheidung, die wir ein wenig bereut haben, war der Besuch des Kriminalmuseums. Kriminalmuseum Es gab dort so viele Folterwerkzeuge und Bilddokumente von Folterungen, dass es einem aufs Gemüt schlägt und man froh ist, wieder draußen zu sein. Wenn man bedenkt, wie unendlich viel Leid die Daumenschrauben, Eiserne Jungfrauen und Streckbänke verursacht haben, dann läuft es einem nicht nur kalt den Rücken herunter, sondern man ist auch fassungslos, dass sich Menschen imstande sind, sich derartige Perversitäten auszudenken.

Nachdem wir in Fulda übernachtet haben, in dem es mitten in der Woche fast unmöglich war, ein Hotelzimmer zu finden, machten wir noch eine letzte Rast in Hannoversch Münden. Wir hatten den ganzen Urlaub über immer wieder auch Kirchen und Kathedralen besichtigt und als ich dort eine kleine sehr alte Kirche sah, wollte ich mir dann ein letztes Mail das Kircheninnere ansehen. Ich war aber irritiert, denn vor dem Eingang stand ein Schild, in dem Kuchen und Café angepriesen wurden. Als ich dann hineinging, befand ich mich gar nicht in einer Kirche, sondern in einem Café. Aegidienkirche Die Kirche war zugegebenermaßen sehr geschmackvoll umgestaltet worden. Aber irgendetwas kam mir merkwürdig vor. An diesem Ort, an dem Taufen, Konfirmationen, Kommunionen, Trauungen und Trauergottesdienste stattgefunden hatten, wurde jetzt Kuchen gegessen und Latte Macciato serviert. Die Fresken, die ja immerhin schon Hunderte von Jahren alt waren, waren übermalt worden. Für viele wird die Wandlung von Sakralem in Profanes sicherlich freudig als Fortschritt und Befreiung von religiöser Infantilität begrüßt, wobei es allerdings für Angehörige anderer Kulturen, wie Buddhisten, Hindus, Juden und Muslime wiederum höchstwahrscheinlich völlig unvorstellbar wäre, sakrale Orte in Cafés umzuwandeln. Aber wer weiß, vielleicht folgen bald auch andere Kulturen unserem Beispiel und man kann dann demnächst in der blauen Moschee oder im Borobudur irgendwann auch Kaffee und Kuchen essen.

Warum der Beitrag Vierländerurlaub heißt? Wir waren auch in Liechtenstein, aber darüber gibt es absolut nichts zu schreiben.