Samstag, 20. April 2013
Ein Argument, das ich nicht mehr hören kann
Zum x-ten Mal habe ich vorgestern bei einer Talkshow ein Argument gehört, das mir schon aus den Ohren herauskommt. Es ging um Prostitution. Im Zusammenhang mit diesem Thema wurde wieder einmal darauf hingewiesen, wie wichtig Prostitution doch als Mittel zur Verhinderung von Vergewaltigung sei. Wo leben eigentlich diejenigen, die so einen Unsinn von sich geben? In unserer Gesellschaft boomt Prostitution und trotzdem gehen Vergewaltigungen keinen Deut zurück. Warum auch? Der Mann, dem es gefällt, eine Frau zum Sex zu zwingen, kann dieses Bedürfnis bei einer Prostituierten gar nicht erfüllen, die denn die ist ja absolut allem bereit, was entsprechend bezahlt wird.

Sex gegen Bezahlung und Sex gegen den Willen der Frau sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Fassen wir einmal zusammen:

Es gibt Männer, die zu Prostituierten gehen und trotzdem vergewaltigen.

Es gibt Männer, die vergewaltigen und noch nie zu einer Prostituierten gegangen sind.

Es gibt Männer, die zu Prostituierten gehen und noch nie jemand vergewaltigt haben.

Es gibt Männer, die weder zu Prostituierten gehen, noch vergewaltigen.

Jede Kombination ist möglich und es gibt nicht den allerkleinsten Hinweis darauf, dass Prostitution etwas an der hohen Quote sexueller Gewalt ändert.

Genauso, wie sich der Mythos von der Prostitution als Vergewaltigungs-Prophylaxe hartnäckig hält, so hält sich auch unerschütterlich der Mythos vom armen Vergewaltiger, der grottenhäßlich ist und hinkt und stottert. Viele Vergewaltiger sind durchaus attraktiv und haben kein Problem im Kontakt zu Frauen. Jedenfalls nicht, was die Fähigkeit anbetrifft, Kontakt zu Frauen aufzubauen. In Hinsicht auf die Akzeptanz eines klaren „Nein“ hat diese Spezies allerdings schon handfeste Probleme. Nur die werden eben nicht durch Prostituierte gelöst, denn wie bereits erwähnt, sagen Prostituierte bei entsprechender finanzieller Gegenleistung zu allem Ja.

Man sollte also endlich aufhören, Prostitution als etwas anderes darzustellen, als das, was es letztendlich ist – reiner Business und keine Wohltätigkeitsveranstaltung.



Montag, 15. April 2013
Von der merkwürdigen Asymmetrie der Beziehungen
Menschliche Beziehungen sind schon etwas Merkwürdiges. Manchmal erhält man von Menschen Hilfe oder Rückhalt, für die man noch nie etwas getan hat. Und manchmal glänzen gerade diejenigen durch Nichtreaktion, für die man sich schon oft genug ein Bein ausgerissen hat. Genauso verhält es sich mit der menschlichen Eigenschaft der Dankbarkeit. Es gibt Menschen, die für das, was man für sie getan hat, viel Anerkennung und Dank zeigen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, für die alles selbstverständlich ist. Wenn man jetzt meint, dass dies in Relation zu dem Grad des geleisteten Aufwands steht, dann irrt man. Manche Menschen nehmen schon Kleinigkeiten wahr und halten es für wichtig, ihre Anerkennung auch zum Ausdruck zu bringen. Andere wiederum halten auch den größten für sie geleisteten Einsatz für das Selbstverständlichste der Welt und würden nicht mal im Traum darauf kommen, sich dafür zu bedanken.

Nein, es gibt in menschlichen Beziehungen kein Prinzip der Gegenleistung. Es ist mehr oder weniger wie Lotterie und man kann zwar hoffen, dass man das, was man gibt, auch irgendwann einmal zurückerhält, aber es gibt keinen Rechtsanspruch.

Eigentlich muss man sich nicht beklagen, denn irgendwann kommt ja Unterstützung von jemandem und irgendwann zeigt auch jemand Dank. Aber dennoch kann ich mich des Gefühls eines bitteren Beigeschmacks nicht erwehren. Es wäre einfach schön, wenn es so etwas wie Ausgewogenheit geben würde. Ich mag sie einfach nicht, diese professionellen Nehmer. Aber ich bin auf der anderen Seite auch tief berührt von Menschen, die sich bei mir bedanken, obwohl ich eigentlich gar nichts Großartiges für sie getan habe. Genauso wie es mich berührt, wenn mir jemand, ohne dass ich darum gebeten habe, Hilfe anbietet. Menschen mit Antennen für die Gefühle anderer. Gut, dass es sie gibt.



Dienstag, 26. März 2013
Irgendwie sind das nicht mehr die gleichen Aussagen
„Ich kann keine Stellung zur Rolle von P. Bergoglio in diesen Vorgängen nehmen“.
P. Franz Jalics SJ
15. März 2013

„Dies sind nun die Tatsachen: Orlando Yorio und ich wurden nicht von Pater Bergoglio angezeigt“.
Franz Jalics SJ
20. März 2013

Ich verfolge nun schon einige Zeit die Einträge in Wikipedia zur Vergangenheit des neuen Papstes. Und weiß nicht so recht, was ich von den beiden Aussagen halten soll, zwischen denen ganze 5 Tage liegen.

Franz Jalics ist jemand, von dem ich tief beeindruckt bin. Gerade wegen seiner Fähigkeit des Verzeihens, zu der die meisten Menschen, wenn sie das Gleiche wie er hätten durchmachen müssen, sicher nicht in der Lage wären. Das macht ihn als spirituellen Lehrer - im Gegensatz zu vielen anderen - auch so glaubwürdig und authentisch. Ich habe Franz Jalics zwar noch nicht persönlich kennengelernt, aber ich kenne einige, die an seinen Seminaren teilgenommen haben und die meinen Eindruck bestätigen.

Und ich bin in Bezug auf Bergoglio außerdem der Meinung, dass man jemanden für einen Fehler in der Vergangenheit nicht sein ganzes Leben lang verurteilen darf. Aber ich kann mich nicht völlig des Gedankens erwehren, dass etwas jetzt einfach weggelassen wird. Und dabei wäre dies doch gerade so wichtig: zu bekennen, dass man in einer bestimmten Situation sich hinter jemanden hätte stellen müssen. Es ist doch gerade die Erkenntnis des eigenen Irrtums, die die Entwicklung eines Menschens kennzeichnet.