Wenn die Argumente ausgehen – Sozialneid
Was macht man, wenn in einer Diskussion die Argumente ausgehen und man Mühe hat, konträre Meinungen zu widerlegen? Man verwendet merkwürdige Begriffe, deren geistiger Gehalt genauso dürftig ist, wie die sonstigen Gedankengänge ihrer Benutzer. Und dann kommt so etwas heraus wie der Begriff „Sozialneid“.
Dieser Begriff macht mit einem Schlag jegliche Diskussion über soziale Gerechtigkeit überflüssig. Denn diesem Begriff zufolge ist der Wunsch nach mehr Gerechtigkeit in Wahrheit nichts anderes als purer Neid. Man missgönnt den anderen einfach das, was man selbst nicht hat.
Nur gut, dass man den guten alten freudschen Begriff der Projektion zur Verfügung hat. Denn etwas anderes steckt nicht hinter Konstruktion dieses Unworts. Da wird in bemerkenswerter Unbedarftheit die eigene Werteskala in den anderen hineinprojiziert und wer selbst den Hals nie voll kriegen kann, vermutet dies auch bei anderen.
Diese äußerst einfach gestrickte Philosophie blendet allerdings aus, dass diejenigen, deren Ziel soziale Gerechtigkeit ist, gar nicht immer zu denen gehören, die selbst von sozialer Ungerechtigkeit betroffen sind. Und genau dieses Ausblenden ist das Bezeichnende an dieser Denkstruktur, die in ihrer Begrenztheit immer im eigenen Wertesystem steckenbleibt und sich um sich selbst dreht.
Es gibt Menschen, die sich unwohl fühlen in einer Welt, in der manche Menschen immer mehr an den Rand gedrängt werden. Eine Welt in der die Schere zwischen arm und reich immer größer wird. Menschen, die sich unwohl fühlen, obwohl sie selbst noch weit vom Rand entfernt sind.
Im besten Sinne zeugt der Begriff Sozialneid einfach nur von einem Mangel an Phantasie. Im schlimmsten Fall offenbart er jedoch ein beängstigendes Ausmaß an plumper Dummheit, die man in ihrer Gefährlichkeit nicht unterschätzen sollte.
behrens am 01. März 13
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Ideale sind unsterblich
Auch wenn ich schon diverse Male Dokumentationen und natürlich auch die beiden Spielfilme über die Weiße Rose angesehen habe, so fesselt mich dieses Thema immer wieder aufs Neue. So auch heute bei der Reportage „Sophie Scholl – allen Gewalten zum Trotz…“ aus dem Jahr 2005. Und ich erliege meist auch der Versuchung, anschließend im Internet zu stöbern um mehr zu erfahren. Und wie bei anderen verwandten Themen wird mir dabei immer schmerzlich bewusst, dass die Zeitzeugen langsam aussterben. Anneliese Knoop-Graf starb im Jahr 2009 und Susanne Hirzel im Dezember vergangenen Jahres. Zwei Frauen, die auch im hohen Alter geistig noch hellwach waren und sich bei ihren Schilderungen noch so erregen können, als wäre alles erst vor kurzem geschehen.
Sophie Scholl wurde nur 21 und ihr Bruder Hans nur 24 Jahre alt. Hans Scholl rief nach der Verkündung seines Todesurteils "Freiheit". Mir fällt dabei die Zeile eines Lieds von Joan Baez ein (die kennt wahrscheinlich heute niemand mehr) über den Gewerkschaftsführer Joe Hill, der zu Unrecht zum Tode verurteilt wurde: „Takes more than guns to kill a man, says Joe – I didn't die". Und etwas davon ist wahr, denn wenn jemand für seine humanistischen Ideale hingerichtet wird, so kann dies immer nur in Bezug auf seine physische Existenz geschehen, nicht für seine Ideen. Die werden dadurch erst unsterblich.
Vielleicht ziehen mich deswegen die Berichte über Widerstandskämpfer so an, es geht im Grunde dabei um etwas Metaphysisches – um die Unsterblichkeit. Etwas, das – allen Gewalten zum Trotz, wie Sophie Scholl formuliert – unbesiegbar ist.
behrens am 18. Februar 13
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Sich in Feigheit üben
Meine Absicht, mich aus einer platt und verächtlich geführten Diskussion einfach herauszuhalten und mich lieber gedanklich anderen Dingen zuzuwenden, wird weiterhin auf eine harte Probe gestellt. Denn etwas hatte ich dabei nicht bedacht – wenn in einer Diskussion auf jemanden eingedroschen wird, übt man sich nicht nur in der hohen Kunst des Ignorierens, sondern auch in der weniger edlen Eigenschaft der Feigheit. Und wie ich es auch anstelle – es ist ein äußerst beschämendes Gefühl!
Und weil es ein so äußerst beschämendes Gefühl ist - für mich jedenfalls - halte ich es nicht mehr aus und gebe noch ein letztes Mal Kontra und habe eben eine Mail geschickt. Wie sagen die Hamburger immer - Wat mutt dat mutt! Dann muss ich allerdings zusehen, dass ich mich schnellstens aus dem Verteiler austragen lasse.
Wenn Menschen Spaß an dumpfen Schuldzuweisungen haben und sich einen Dreck um die Suche nach Ursachen scheren, dann ist es Zeit zu gehen.
Wie sagte Sturmfrau doch mal vor einiger Zeit hier zu einem gewissen Nemoomen, der hier rumholzte (und dessen Identität ich im nachherein amusiert als einen alten Bekannten herausfand) - Ahoi!
Ja genau: Ahoi!
behrens am 14. Februar 13
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