Samstag, 15. Juni 2013
Andenken an Iris und daran, dass die Welt bunt ist und nicht grau
Bald jährt sich der vierte Todestag meiner Freundin Iris.

Bei der Grabstätte, in der Iris beigesetzt wurde, handelt es sich um ein Urnengrab, in dem auch ihre geliebte Großmutter beigesetzt wurde und auf dem sich lediglich eine kleine Grabplatte befindet. Leider ist das Grab für mich so weit entfernt, dass ich es nicht mal eben so aufsuchen kann.

Vor einiger Zeit las ich hier darüber, dass jemand im eigenen Garten für seine verstorbenen Freunde und Familienmitglieder kleine, sehr liebevoll gestaltete Gedenkstätten angelegt hat. Ich finde diese Idee wunderschön und kommentierte dann, dass ich so etwas auch gern für meine Freundin gestalten würde, was aber leider daran scheitert, dass ich keinen Garten habe. Und dann erhielt ich auf meinen Kommentar eine Antwort, die mir die Sprache verschlug: "das requiem" für ihre verstorbene freundin hat mich sehr bewegt, ich werde für ihre iris einen kleinen gedenkstein anlegen und ihr davor ein blümchen pflanzen. lassen sie mich nur bitte wissen, welche pflanze ihre freundin gemocht hat." Inzwischen wurde wie man oben auf dem Foto sehen kann, der Platz auch angelegt und es soll sogar noch der Namenszug hinzukommen.

Mir fehlen auch jetzt die Worte für diese Begebenheit. Die Bloginhaberin kennt weder mich noch meine Freundin und ich bin auch erst vor kurzem auf den Blog aufmerksam geworden. Trotzdem wird mir jetzt dieses Geschenk zuteil. Meine Freundin, die ein herzensguter Mensch war und in ihrem viel zu kurzem Leben sehr viel leiden musste, hat dieses Andenken verdient.

Wenn Menschen spontan anderen etwas geben oder ihnen helfen, dann werde ich daran erinnert, dass die Welt bunt ist und nicht grau. Durch meine berufliche Tätigkeit wurde ich in ein Umfeld gezogen, in dem es vielen (allerdings nicht allen) vorrangig um Geld geht und in dem diese Vorrangigkeit wirkliches Interesse an andern Menschen immer mehr verdrängt. Dennoch ist dieses Umfeld nicht stellvertretend für die ganze Welt. In der gibt es nämlich nach wie vor Menschen, deren Handeln von Mitmenschlichkeit geprägt ist.

Fast hatte ich dies schon vergessen und ich bin dankbar, dass mich Feuerlibelle wieder daran erinnert hat.



Mittwoch, 29. Mai 2013
Es geht also doch
Freund,
wer Sie auch sind - vielleicht haben Sie einfach die Zufälligkeiten des Internet auf diese Seite geführt -, wie dem auch sei, seien Sie willkommen! Sie werden hier nichts oder nur wenig von dem finden, was die gegenwärtige Welt schätzt. Wir haben uns nicht einmal bemüht, etwas Originelles zu bieten.


Dieser Internetauftritt ist ja nun etwas völlig anderes als die übliche Hochstapelei auf Websites. Und kann durchaus als Tiefstapelei durchgehen, denn die Seite ist in ihrer Klarheit und Einfachheit unter dem Verzicht auf die übliche Phrasendrescherei und geschönte Fotos sehr originell. Selbst einem Website-Feind wie mir gefällt diese Seite.



Freitag, 24. Mai 2013
Winifred und Eva
Gestern und vorgestern wurde ein fünfstündiges Interview aus dem Jahre 1975 mit Winifred Wagner, der Schwiegertochter Richard Wagners, im Fernsehen gezeigt. Obwohl hochinteressant, so doch auch ziemlich anstrengend und infolge dessen habe ich längst nicht alles verfolgt. Meine Reaktion ist eine merkwürdige Mischung aus Staunen und einer Art Faszination. Faszination deswegen, weil die zum Zeitpunkt des Interviews 78jährige Winifred Wagner so verwachsen mit dem Werk ihres Schwiegervaters war und fast all ihre Positionen so messerscharf und überzeugt formuliert, dass es einen irgendwie in den Bann zieht. Erstaunt war ich deswegen, weil Winifred Wagner es schaffte, voll und ganz alles an der damaligen politischen Realität auszublenden.

Zwei Zitate:
„Mich interessiert an einem Menschen immer nur die ganz persönliche Erfahrung“.
„Ich war (bei den Verhören) immer erstaunt, dass man mir immer meine unpolitische Haltung vorwarf“.


Ich habe mir bisher einen durch und durch unpolitischen Menschen meist mehr oder weniger als nicht besonders intelligent vorgestellt – jemand, der gar nicht in der Lage ist, wirkliches geistiges oder künstlerisches Interesse zu entwickeln. Genau dies trifft aber auf Winifred Wagner nicht zu, denn sie hat sich der Aufgabe der Leitung der wagnerischen Festspiele mit Leib und Seele gewidmet. Sie tat dies in einem Maße, die keinen Platz mehr ließ für irgendwelche anderen Bereiche. Dies hat es ihr möglich gemacht, Hitler einfach nur als einen Wohltäter anzusehen, der die Liebe zu Wagner teilt und sie bei der Umsetzung ihrer Aufgabe nach besten Vermögen unterstützt.

Natürlich wird sie im Interview auch darauf angesprochen, wie es ihr möglich war, trotz der Greueltaten des Dritten Reichs mit Hitler befreundet zu sein. Bei der Beantwortung dieser Frage wirkt Winifred Wagner nicht mehr ganz so souverän, dennoch kann sie auch diese Frage klar begründen, wie ihr Ausspruch deutlich macht, dass sie an einem Menschen immer nur die ganz persönliche Erfahrung interessiert.

Den Antisemitismus Richard Wagners sieht sie nicht als geistige Wegbereitung der Ausrottung der Juden sondern lediglich als den Wunsch nach „Stilllegung des geistigen Einflusses der Juden“.

Winifred Wagner ist das genaue Gegenteil von Eva Braun. Während Winifred Wagner verwachsen mit ihrer Lebensaufgabe der Leitung der Bayreuther Festspiele war, gab es bei Eva Braun keine Lebensaufgabe außer der, Hitlers Geliebte zu sein. Entsprechend kann man die Einstellung Winifred Wagners gegenüber Eva Braun auch als reine Ignoranz bezeichnen, denn Eva Braun existierte für sie schlichtweg gar nicht.

Zwei Frauen, die Hitler anbeteten und die ihrerseits im Leben Hitlers eine wichtige Rolle spielten. Zwei Frauen, die unterschiedlicher gar nicht hätten sein können und die trotzdem in einem Punkt identisch waren: im rigorosen Ausblenden all dessen, was über das Private hinausgeht. Ein Ausblenden, das in einer erschreckenden und kaum noch fassbaren Gleichgültigkeit und Ignoranz gegenüber all dem unermesslichen und unbeschreiblichen Leid mündet, das Hitler über fast die ganze die Welt gebracht hat.

Es übersteigt mein Vorstellungsvermögen, dass menschliche Wesen zu einer derartigen Ignoranz fähig sind. Verständlich wäre es für mich allenfalls dann noch, wenn Menschen von dem gleichen Hass wie Hitler zerfressen gewesen wären und folglich in ihm den Vollstrecker ihres Hasses gesehen hätten. Dies war aber weder bei Winifred Wagner noch bei Eva Braun der Fall. Bei beiden war es kein Hass, sondern Freundschaft und Liebe, die es möglich machten, seelenruhig und unbeteiligt zuzusehen, wie eine Katastrophe ihren Lauf nimmt.