Donnerstag, 17. Januar 2013
Einfach nur widerlich
Eigentlich ist Missbrauch oder sexuelle Gewalt ein zu heikles Thema um es mal eben so abzuhandeln. Aber mir kommt einfach die Galle hoch, wenn ich diesen ekelhaften Berufsplayboy Rolf Eden mit seiner menschenverachtenden Reaktion auf Pola Kinskis biographisches Buch höre: Dieses Fräulein Kinski, sie will in die Schlagzeilen kommen. Das hatte er gar nicht nötig. Er konnte jede Frau kriegen."

Eben, lieber Berufsplayboy – wer jede Frau kriegen kann, möchte das, was man nicht so einfach haben kann. Tabus gelten nur für Spießer und Kleinbürger. Und ein Spießer will man ja auf keinen Fall sein…

Wann hört dies furchtbare alte Mähr auf, derzufolge jeder Missbraucher, jeder Vergewaltiger und jeder Frauenmörder ein kleines, erfolgloses, von Komplexen gebeuteltes Hutzelmännchen ist? Das mag manchmal zutreffen, aber längst nicht immer. Sexuelle Gewalt hat etwas mit Machtdemonstration zu tun. Und danach dürstet es nicht nur die Erfolglosen, sondern auch die Überflieger und Genies.



Sonntag, 13. Januar 2013
Manche Auslaufmodelle sind einfach nicht totzukriegen – John Wayne
Bei meinem Treffen mit alten Freunden kamen wir – wie dies so ist unter Freunden – natürlich auch auf den ein- oder anderen aus dem gemeinsamen Bekanntenkreis zu sprechen. Ich sprach dann über Konflikte, die aus dem Verhalten eines meiner Bekannten entstanden sind, sowohl in Bezug auf mich als auch auf einige andere. Es geht dabei um einen Mann, der genau das verkörpert, was man landläufig als Macho oder vielleicht auch einfach als Rüpel bezeichnet. Ein Mann, für den eine Diskussion nur dann eine Diskussion ist, wenn er diese mit kurzen und knappen Statements so schnell wie möglich beendet. Für den jedes fragende Nachhaken einen existentiellen Verlust der Männlichkeit darstellt.

Bei Diskussionen ist so ein Verhalten schon unangenehm genug. Wenn es um soziales Miteinander geht, dann wird es allerdings unerträglich. Grundsätzlich wird jede Form des Verständnisses für andere sofort als gefühlsduselig und lächerlich abgetan. Und grundsätzlich weiß der Typus des Machos genau, was richtig und falsch ist und reagiert äußerst ungehalten, wenn auch nur die kleinsten Zweifel an seiner Ansicht auftauchen. Er scheint unter einem unerklärlichen und extremen Zeitdruck zu stehen, der es zwingend erforderlich macht, sofort und auf der Stelle jeden und alles abzuwürgen. Ein kleiner John Wayne, der keine Zeit für Nebensächlichkeiten hat, weil er ja gegen feindliche Indianer, hinterhältige Banditen und gefährliche Pumas kämpfen muss. Und so gallopiert John Wayne dann mit einem Riesentempo munter über die Gefühle der anderen hinweg.

Meine Freunde bestätigten dies alles mehr oder weniger schulterzuckend und kommentierten, dass der Betreffende ja schon seit frühester Jugend so war. Was mir aber wohltuend im Gedächtnis geblieben ist, ist der Kommentar meines alten Freundes: „Es ist merkwürdig, dass manche immer noch nicht bemerkt haben, dass so ein rüpeliges und dominantes Verhalten schon lange nicht mehr als männlich gilt und die meisten darüber nur noch mitleidig den Kopf schütteln.“

Und genau das erstaunt mich auch. Wieso hält sich so ein Auslaufmodell so hartnäckig, wo doch jeder nur noch genervt oder gelangweilt darauf reagiert? Nicht, dass mir die Filme mit John Wayne nie gefallen haben – im Gegenteil, manche fand ich sehr spannend und ab und zu würde ich mir sogar auch wieder einen ansehen. Aber Film ist Film und in der realen Alltagswelt wirkt John Wayne wie ein prähistorisches Tier, das nicht mehr in seine Umwelt passt.

Wieso bekommt dieses Auslaufmodell bloß nicht mit, dass seine Zeit abgelaufen ist und ihn niemand mehr männlich, sondern nur noch peinlich findet?

Vielleicht liegt es daran, dass es auch immer noch weibliche Auslaufmodelle gibt, die zu diesem Rüpel mit großen Kulleraugen aufschauen. Jene Frauen, die auch aus der Zeit der Säbelzahntiger und Mammuts zu stammen scheinen und die einen Mann brauchen, der sie mit Keule und Faustkeil beschützt. Ja, so muss es wahrscheinlich sein und deswegen stirbt dieses Auslaufmodell auch nicht aus und wird uns – ähnlich wie ein resistenter Virus – noch bis ans Ende unserer Tage daran hindern, wirklich in der Zivilisation angekommen zu sein.



Samstag, 12. Januar 2013
Die merkwürdige Institution der Zeitehe
Der Islam erlaubt niemals, dass eine Frau Sex mit hunderten Männern hat. Es sei denn, die Männer zahlen dafür und kommen für den Unterhalt auf. Darum geht es in der Zeitehe. Leute, die nicht genug Geld für eine Ehe haben, können eine Zeitehe eingehen.
Aussage eines Mullahs in der Dokumentation „Im Basar der Geschlechter“

Schon immer empfand ich die Zeitehe, die es im schiitischen Islam gibt, als eine sehr kuriose Einrichtung. Die Zeitehe, persisch Mutah, erlaubt es den schiitischen Muslimen, eine Ehe auf Zeit einzugehen, wobei die Dauer sich auf eine halbe Stunde bis zu vielen Jahren erstrecken kann.

Vorgestern gab es nun eine Dokumentation auf Arte über die Zeitehe, die ich mit Spannung verfolgt habe. Es gibt einige Vorschriften für den Abschluss einer Zeitehe. Zum Beispiel darf nach Aussage des Mullahs eine Jungfrau nur eine "nicht sexuelle" Zeitehe eingehen. Was man darunter zu verstehen hat, hat der Mullah sehr direkt beschrieben: „Es darf keine Penetration stattfinden, weder von vorn noch von hinten.

Die islamische Beschränkung auf vier Ehefrauen gilt für die Zeitehe nicht. Zwischen zwei Zeitehen müssen zwei Monatsblutungen liegen, damit die Vaterschaft eindeutig ist. Auf die Frage, ob dies für eine Frau nach den Wechseljahren auch gilt, antwortet der Mullah: „Nein, da gilt diese Vorschrift nicht“. Lachend fügt er hinzu: „Aber wer will schon so eine Frau?“

Ein anderer Mullah erklärt den Sinn der Zeitehe mit der Aussage: „Der Islam verlangt Respekt vor der Sexualität“. Dieser Satz hat mir zu Denken gegeben. Was könnte damit wohl gemeint sein? Der Gedanke, für Sexualität Respekt einzufordern, wird wahrscheinlich von vielen grundsätzlich nicht als falsch eingestuft. Unstrittig ist jedoch, dass es fast unmöglich sein dürfte, hierfür Normen zu definieren. Es kommt ja oftmals schon zwischen lediglich zwei Menschen zu zu keiner Einigkeit in dieser Frage. Zudem ist dieses Thema sehr anfällig für Polemik, was ich auch hier beim Bloggen schon erlebt habe. Polarisierungen scheinen bei diesem Thema fast unvermeidlich zu sein, da es leider immer wieder das wenig konstruktive Bedürfnis gibt, dieses komplizierte und sehr sensible Thema mit Schubladenkategorien abzublocken. Nichtsdestotrotz ist das Phänomen Zeitehe viel zu interessant um sich damit nicht auseinanderzusetzen.

Während ich die Sendung ansah, fiel mir ein früherer aus dem Iran stammender Bekannter ein. Von ihm weiß ich, dass im Iran Prostitution durchaus existiert. Allerdings muss tatsächlich vor dem Sex geheiratet werden. Unterlässt man dies, muss die Frau mit Todesstrafe rechnen und auch der Mann erhält eine Strafe.

Man wird unschwer leugnen können, dass hinter den vielen Vorschriften, die es im Islam in Bezug auf Sexualität gibt – und es gibt derer wirklich viele – die unverrückbare Angst vor der selbstbestimmten und unabhängigen Frau steckt, die tut und lässt, was sie will. Konsequenterweise gibt es die Möglichkeit per Zeitehe mehrere Ehepartner zu haben auch nur für Männer. Aber davon abgesehen ist die Formulierung: "Der Islam erlaubt niemals, dass eine Frau Sex mit hunderten Männern hat, es sei denn, die Männer zahlen dafür und kommen für den Unterhalt auf " höchst erstaunlich, denn im Klartext heißt dies nichts anderes als „Ohne Geld kein Sex“. Man könnte fast an die Hartlinerinnen des Feminismus erinnert werden, für die jede Form des heterosexuellen Sex gleichbedeutend mit Prostitution war und deren Resümee dann darin gipfelte, Prostituierte als die wahren selbstbefreiten Frauen hochzustilisieren.

Was auch immer es zu der Institution der Zeitehe zu sagen oder zu assoziieren gibt – es bleibt ein Kuriosum. Und obwohl die Zeitehe zumindest eine Art Notlösung für die fehlende sexuelle Freiheit ist, stellt sie eine Farce dar, die zwar einerseits die sexuelle Zwangsmoral entlarvt, diese andererseits aber erst recht stabilisiert.