Alle Fehler, die man hat, sind verzeihlicher, als die Mittel, die man anwendet, um sie zu verbergen.
La Rochefoucauld (1612 – 1680)
Ich weiß nicht, welche Fehler Rochefoucauld dabei im Auge hatte. Mir fiel sofort die Feigheit ein (nicht die Angst – das ist etwas völlig anderes). Wer aus Feigheit Dinge vermeidet, erfindet die haarsträubendsten Ausreden, nur um zu verbergen, dass er feige ist. Und aus diesem Grund ist es müßig, sich mit diesen Ausreden auseinanderzusetzen, denn das ist so, als würde man gegen ein Phantom antreten – man kämpft mit etwas Nichtexistenten. Feiglinge sind Meister im Verdrehen der Wirklichkeit. Unterhält man sich zu lange mit Ihnen, fängt man an zu glauben, die Erde sei eine Scheibe.
Und natürlich fällt mir der Fehler der Geldgier ein. Wer geldgierig ist, erfindet ebenfalls die merkwürdigsten Ausreden, nur um nicht zugeben zu müssen, dass es ihm einzig und allein ums Geld geht. Das beginnt damit, dass die eigene Arbeit als das Größte, Engagierteste und Qualifizierteste dargestellt wird, damit eine moralische Berechtigung geschaffen wird, anderen möglichst auch noch die Luft zum Atmen in Rechnung zu stellen. Und es endet damit, dass über die eigene materielle Lebenssituation so gejammert wird, als ob die ständige Gefahr des Hunger- und Kältetods lauern würde.
Jeder Fehler hat auch die ihm eigene Art des Verbergens. Während Feiglinge und Geldgierige es bei der Selbstlüge belassen, geht der Diktator rigoroser vor. Ihm reicht das Lügen nicht, sondern er trifft Maßnahmen, um die Wahrheit zu verbieten. Wagt es jemand sich ihm in den Weg zu stellen, wird der erbarmungslos ausgeräumt.
Es gibt sicher noch eine Menge andere Fehler, an die Rochefoucauld gedacht haben mag.
behrens am 11. März 11
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Ich mag you
Übersetzungssoftware überzeugt nicht immer – aber zumindest sorgt sie für Unterhaltung. Dies Nachricht habe ich heute über stayfriends von einem Liverpooler namens Donald erhalten:
Hallo liebe,
Ich bin für eine Invasion in die Privatsphäre, aber ich über Ihr Profil durchsucht und denke mir leid Ich mag you.my Name ist Donald, ich bin ein Geschäftsmann, im Vertrieb und Marketing, Verkauf und Lieferung von Kabeln und Leitungen inklusive Recycling und Produktion vonKommunikation ist Drähte und Kupfer. Ich bin derzeit in Uk mein verstorbener Vater ist aus Deutschland und meine Mutter aus England, ich werde nachDeutschland kommen für meinen Urlaub in Kürze. Ich verlor meine Frau 3yrs vor Seitdem habe ich so mit meinem Job besorgt gewesen, die geholt haben, ich habe eine schöne Tochter (Rose), sie ist 19 Jahre alt, studierte sie Musik an einer Universität in Atlanta, Georgia. Ich bin auf der Suche nach einer schönen Frau, die meine Lebensgefährtin werden und alt together.my liebe können Sie mir Ihre E-Mail-ID, so dass ich meine Fotos in Ihren Posteingang zu senden. Ich werde sehr glücklich sein, haben jetzt mit dir plaudern, dass ich online bin (xxxxxxxx). Außerdem möchte ich auf Ihre Mails zu empfangen. Ich hoffe von
Ihnen zu hören positiv.
viel Liebe
Donald
Gewalt, Rache, Gerechtigkeit und was aus einem Trauma entstehen kann
Obwohl ich Actionfilme nicht besonders mag, habe ich mir die gesamten Folgen der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson angesehen. Ich habe erst vor einigen Monaten das erste Mal von Stieg Larsson und seiner Trilogie gehört. Das war in meinem Urlaub in Malaysia, als ich mich mit einem Australier unterhielt und wir dabei auch auf meinen Beruf zu sprechen kamen. Am nächsten Abend trafen wir uns zufällig wieder und er sagte mir, dass ihn durch unsere Unterhaltung die Romane von Stieg Larsson eingefallen wären, denn auch dort kommt ein „Guardian“ – also Vormund – vor. Der Australier beschrieb die Romane als äußerst spannend und lesenswert.
Als jetzt vor sechs Wochen die erste Folge – Verblendung – im Fernsehprogramm angekündigt wurde, war für mich klar, dass ich mir zumindest eine Folge ansehen wollte. Besagter Australier hatte mir die Romane so ans Herz gelegt und ich war außerdem sehr neugierig, welche Rolle man in einem Actionfilm wohl einem Vormund zugedacht hat. Schon der erste Teil des Films strotzt nur so von Gewalt – dies ist auch der Grund, warum ich mir normalerweise schon seit längerem solche Filme nicht mehr ansehe. Man baut eine Menge Wut auf, die auch nach dem Ende des Films noch spürbar ist und letztendlich weiß ich nach solchen Filmen oftmals nicht, warum ich sie mir überhaupt angesehen habe. Inhaltlich geht es meist um nichts anderes, als um die Darstellung von Gewalt und überzogenen Klischees.
Aber irgendetwas an dem Film hat mich dann doch sehr gefesselt. Zum einen ist die von Noomi Rapace dargestellte Rolle der Lisbeth Salander sehr beeindruckend. Eine ungewöhnliche Mischung aus Zerbrechlichkeit, Trotz, Verletztheit und Racheengel. Und dann die Person des Journalisten Mikael Blomkvist, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, miese Machenschaften ans Licht zu bringen. Beide Figuren trifft man im wahren Leben nicht. Menschen, die für Gerechtigkeit ihr Leben aufs Spiel setzen gibt es leider nur im Film. Allerdings wurde im Anschluss an den ersten Teil eine Dokumentation über das Leben von Stieg Larsson gezeigt, die doch ein kleines bisschen an meiner Einschätzung gerüttel hat.
Ähnlich wie seine Romanfiguren hat sich nämlich Stieg Larsson in seinem wahren Leben dem Kampf gegen Ungerechtigkeit verschrieben und sich insbesondere gegen Rechtsradikalität engagiert. Und was mich sehr berührt hat, ist der Anlass, der zu seinem Engagement geführt hat. Als Jugendlicher wurde Stieg Larsson Zeuge, wie eine Gruppe anderer Jugendlicher ein Mädchen vergewaltigte. Er griff – warum wurde nicht näher erwähnt – nicht ein, aber nach seinen Aussagen hat dieses Erlebnis bei ihm dazu geführt, sich gegen Gewalt zu engagieren.
Ich habe das Gefühl, dass es Stieg Larsson gelungen ist, seinen Romanen und damit auch deren Verfilmung die Authentizität einzuhauchen, die man in Filmen dieses Genres normalerweise vergeblich sucht. Was übrigens nicht heißt, dass die Verfilmung auf die üblichen reißerischen Mittel verzichtet. Im Großen und Ganzen ist es ein ganz normaler Unterhaltungsfilm – allerdings auf höherem Niveau als normalerweise üblich.
Was mich an Stieg Larsson so beeindruckt, ist nicht die Thematik seiner Romanverfilmungen. Es ist vielmehr die Tatsache, dass jemand aus einer traumatischen Situation einen Wendepunkt in seinem Leben gemacht hat. Oder besser gesagt, die Tatsache, dass jemand die Situation des Miterlebens von Gewalt ohne gegen diese eingeschritten zu sein, überhaupt als Trauma empfunden hat. In einer Zeit der Ideologie des Wegsehens ist dies ein Hoffnungsschimmer.
Menschen sind fehlbar und es gehört zur menschlichen Existenz, dass es Situationen gibt, in denen man tatenlos zusieht, obwohl es richtig wäre, einzugreifen. Das Entscheidende ist, dass man aus diesen Situationen lernt. Ausschlaggebend die Veränderung, die aus Fehlern entstehen kann, wenn man sich ehrlich eingesteht, dass man einen Fehler begangen hat.
Ach so – was die Darstellung eines Vormunds anbetraf, wegen der ich mir ja die Trilogie überhaupt angesehen habe: es gibt im Film davon gleich zwei. Bei dem einen handelt es sich um einen liebenswürdigen älteren Herrn, der sich sehr für sein Mündel eingesetzt hat. Bei dem anderen handelt es sich um einen Kotzbrocken, der seine Position brutal und skrupellos ausgenutzt hat. Zumindest dies war so real wie im richtigen Leben…
behrens am 01. März 11
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