Gestern sah ich den Film "Kirschblüten – Hanami". Ein stiller poetischer Film, in dem es um Verlust, Schmerz und Seelenverwandtschaft geht. Ein Mann, der den plötzlichen Tod seiner Frau nicht verkraftet und sich auf die Suche nach ihr macht, indem er ihrer Liebe zum Buthotanz nachspürt. Diese Liebe hatte er zu Lebzeiten seiner Frau nie wirklich ernst genommen, was er bereut und jetzt nachholen möchte.
In Tokio trifft er auf Yu, eine junge obdachlose Frau, deren Mutter verstorben ist und die ebenfalls sehr unter diesem Verlust leidet. Sie tritt durch einen Tanz wieder in Kontakt mit ihrer Mutter. Bei diesem Tanz tanzt Yu in traditioneller Kleidung mit einem kirschblütenfarbenen Telefon. Obwohl die sprachliche Verständigung schwierig ist, gibt es sofort ein unsichtbares Band zwischen den beiden.
Der Mann ist schon seit langem schwerkrank und es kommt, wie es kommen muß. Aber bevor er stirbt, gelingt es ihm, die Seele seiner geliebten Frau wiederzufinden, was ihn glücklich sterben läßt.
Ein Film über zwei verlorene und verletzte Seelen, die sich in ihrem Schmerz begegnen und verstehen. Und neben dieser Begegnung wirken alle anderen menschlichen Beziehungen merkwürdig dumpf und grob. Und man spürt, daß menschliche Beziehungen auch eine andere Dimension haben können, als die übliche. Der tiefe Respekt vor dem Schmerz des anderen läßt ahnen, was Seelenverwandtschaft bedeutet. Vielleicht ist es das, was mich an diesem Film verzaubert hat - die Darstellung einer Seelenverwandschaft. Zwei Menschen, die zwar von ihrer Außenwelt als verrückt angesehen werden, aber die in der Lage sind, gegenseitig ihre - alles andere als verrückte - Einzigartigkeit wahrzunehmen.
Heute habe ich mir Blumen gekauft. Und erst zuhause wurde mir bewußt, welche Blumen – rosarote Kirschblütenzweige.
Yes, she can... Schlangenfrauen, Flötenspielerinnen und U-Bahn-Philosophinnen
Die traurige Frau in der Untergrundbahn
O wie versunken die Augen,
Hände, sie litten so sehr
unter den tödlichen Laugen,
Schwester, das Leben ist schwer.
Niederwärts brausen die Gleise,
doch wenn die Sonne uns ließ,
donnert nur dunkler die Weise:
Schwester, das Leben ist süß!
Elisabeth Langgässer (1899-1950)
------------------------------------------------- Die Weidenflöte
Ich bin kein Fahnenträger,
kein adleräugiger Wegweiser
auf unserer Reise in das Land von Morgen.
Ich bin eine Weide neben dem Strom,
durch die die Winde wehen,
von der der Geist des Aufruhrs in der Welt
eine einfache Flöte bricht,
um eine Melodie zu spielen,
in der es Sturm gibt, Schmerz, Liebe
und ein wenig Morgendämmerung.
Katri Vala (1901-1944)
------------------------------------ An eine diffamierte Dame
Freundin, mein schuppiges Luder,
wer wollte sich nicht an dir messen,
Erkenntnisträchtige,
bäuchlings einen Biß mit dir tauschen
und Giftbäume plündern,
um zu wissen, wo Gott wohnt!
Du hast die Erde bevölkert, Schöne,
um man hat die verflucht,
eingefangen als Corpus delicti,
Erfindung der Erbsünder. Lache,
mein schuppiges Luder,
und räche dich an den Lechzenden,
fahre den Heuchlern ans Bein,
schlage ihnen ein Schnippchen, den Kerlen
aus Adams Geschlecht.
Entspricht so gar nicht dem Zeitgeist mit seiner Devise des "Jeder ist seines Glückes Schmied". Und Recht hat Goethe - durch tolle Menschen bekommt man tolle Anstöße und entwickelt sich weiter. Gute Konzepte, wichtige Projekte und dringend notwendige Veränderungen - das wird eben nur etwas mit "rechten Leuten".