Montag, 10. August 2009
Dummheit als Bedürfnis
Es ist nicht so, daß die Menschen heute dümmer sind als als früher. Jede Epoche hat die ihr eigene Dummheit.
Aber in unserer jetzigen Zeit hat hat die Dummheit eine viel größere Plattform. Und es steckt eine mächtige Industrie hinter der Dummheit. Mit Dummheit kann man Geld machen. Und das geschieht mittlerweile viel professioneller als früher.

Früher haben sich die Menschen auf dem Jahrmarkt Skurilitäten angeschaut. Aber es war nicht immer Jahrmarkt.

Jetzt findet ein immerwährender Jahrmarkt statt. Und Dummheit ist gesellschaftsfähig geworden. Gilt als chic.

Überall und jederzeit kann man sein Bedürfnis nach Dummheit befriedigen. Es scheint ein menschliches Bedürfnis nach Dummheit zu geben. So wie Durst und Hunger. Anders ist nicht zu erklären, was Menschen so reden, schreiben, lesen und sich im Fernsehen anschauen. Für dieses Phänomen muß es eine Erklärung geben. Und die lautet: Dummheit ist ein Bedürfnis.



Samstag, 8. August 2009
Armut
Armut hat ein häßliches Gesicht.

Armut ist das Nicht-Schöne.
Armut ist das Nicht-Einfache.
Armut ist das Nicht-Haben.
Armut ist die Nicht-Möglichkeit.
Armut ist das Nicht-Wählen-dürfen.

Eine häßliche Wohnung.
Ein häßlicher Stadtteil.
Eine dreckige, laute Arbeit.

Ein Zutrittsverbot.
Ein Ausschlussverfahren.
Ein Nicht-Dabeisein.
Ein Nichts-abbekommen.


Warum regt das außer mir eigentlich niemanden auf?



Freitag, 31. Juli 2009
Ehrgeiz – oder was haben Rubens, Storm und Farinelli gemeinsam?
Gerade habe ich in einem Artikel über Rubens gelesen, daß dieser auch als Diplomat tätig war. Er wurde während des dreißigjährigen Krieges von der Infantin Isabella von Brüssel ihrem Bruder Philipp IV von Spanien als Mittler zwischen England und Spanien empfohlen. Rubens kam dieser Mission auch nach und er erreichte es auch tatsächlich, den englischen Karl I für den Frieden mit Spanien zu gewinnen. Die freiheitsliebenden Niederländer jedoch ließen sich allerdings davon nicht beeinflussen und führten ihren Freiheitskampf weiter. Als Rubens dann der Posten des stellvertretenden Botschafters in London angeboten wird, flehte er Isabella an, ihn von allen diplomatischen Missionen zu befreien. Und jetzt kommt der Ausspruch Rubens’, aufgrund dessen ich diesen Artikel hier wiedergebe:

„Ich habe beschlossen, meine Freiheit wiederzugewinnen, indem ich den goldenen Knoten des Ehrgeizes durchschneide“.

Mir war Rubens nur als Maler bekannt und ich bin beeindruckt von dessen Sprachgewandtheit. Ehrgeiz als „goldenen Knoten“ zu bezeichnen, kann so auch nur von einem Künstler, einem außergewöhnlichem Menschen formuliert werden. Ein Knoten, der etwas einengt, festhält und behindert. Genau das ist Ehrgeiz. Nicht für jeden, aber für Menschen, die zu Höherem berufen sind. Denn Ehrgeiz fördert meist nicht das Beste eines Menschen sondern nur das Erfolgreichste. Und das reicht bei weitem nicht immer an das Beste heran.

In Dichterkreisen ist diese Sichtweise nicht neu und immer wieder Gegenstand der Dichtung:

„Was du immer kannst, zu werden,
Arbeit scheue nicht und Wachen;
Aber hüte deine Seele
Vor dem Karrieremachen.

Wenn der Pöbel aller Sorte
Tanzet um die goldenen Kälber,
Halte fest: du hast vom Leben
Doch am Ende nur dich selber“


Theodor Storm (1817- 1888)

Um den Kreis der Künstler zu schließen, füge ich jetzt noch einen Ausschnitt aus dem Film „Farinelli“ von Gérard Corbiau an. Im Film geht es um den im 18. Jahrhundert berühmt gewordenen Sänger Farinelli, der schon als Kind über eine außergewöhnlicher Stimme und Gesangstalent verfügte. Um diese wunderschöne Stimme zu erhalten, entscheidet die ehrgeizige Familie des Jungen seine Kastration. In der hier gezeigten Szene wird Farinellis Erinnerung daran dargestellt. Auf der Bühne ein gefeierter Opernsänger, aber abseits der Oper ein durch die Verstümmelung traumatisierter, um seine Männlichkeit Trauernder. Dazu die wundervolle Musik von Händel, den Farinelli sehr verehrte, ohne daß diese Verehrung erwidert wurde. Lascia chio Pianga, es lohnt sich, bis zum Ende zu sehen (und zu hören):



Als Information über das Leben Farinellis:
http://www.dradio.de/dlr/sendungen/kalender/339392/