Donnerstag, 30. September 2010
Der-mit-dem-Strom-schwimmt
Der-mit-dem-Strom-schwimmt gibt nie einen eigenen Weg vor, sondern nimmt jede Richtung an.

Der-mit-dem-Strom-schwimmt richtet auf diese Weise manchmal Überflutungen an, bricht Deiche, zerstört Menschenleben und bringt viel Unheil.

Manchmal mündet er auch in eine übelriechende Kloakte. Und manchmal führt er sogar Leichen mit sich.

Der-mit-dem-Strom-schwimmt, nimmt jeden mit. Ob Passagierschiff, Kriegsflotte, Piratenschiff oder Menschenhändler – er ist wahllos, es kümmert ihn nicht.

Der-mit-dem-Strom-schwimmt läßt auch Menschen ertrinken. Und so heftig manche auch zappeln und schreien - Der-mit-dem-Strom-schwimmt übersieht und überhört es.

Der-mit-dem-Strom-schwimmt läßt sich wohlig von den Wellen tragen und ihm ist es gleich, was der Strom anderen zufügt.

Der-mit-dem-Strom-schwimmt hat noch nie für irgend etwas die Verantwortung getragen. "Der Strom war's und ich nicht" ist seine Antwort, wenn er Unheil angerichtet hat. "Und der Strom kann niemals irren!"

Der-mit-dem-Strom-schwimmt taucht ab, wenn es um Verantwortung geht. Taucht tief ins dunkle Wasser und ward nicht mehr gesehen. Wenn die Gefahr vorbei ist, taucht Der-mit-dem-Strom-schwimmt wieder auf. Und schwimmt munter weiter im Schutze des großen Stroms.

Und manchmal ist der Strom gar kein wasserführender Fluss. Manchmal ist es auch einfach nur ein Mensch. Und dann geht es nicht um Überflutung oder um brechende Deiche. Dann geht es um zutiefst verachtenswerte Behandlung anderer Menschen. Um Ausnutzung und Bevormundung. Aber auch das stört Der-mit-dem-Strom-schwimmt nicht. Er lügt sich seine Verantwortung weit auf den Meeresboden und lässt sich bequem im Fahrwasser treiben.

Der-mit-dem-Strom-schwimmt hat es gern einfach. Und deswegen wird er nie aufhören mit dem Strom zu schwimmen. Und deswegen bleibt alles, wie es schon immer war. Und genauso, wie es immer Strömungen geben wird, die Unheil bringen, genauso werden in diesen Strömungen immer Menschen mitschwimmen. Und es wird immer so sein, dass sich diese Menschen um ihre Selbstachtung belügen.



Samstag, 25. September 2010
Und doch noch ein Tempel
25.09.10
Nachdem wir unseren ganzen Urlaub ueber keinen Tempel gesehen haben, wurden wir heute, einen Tag vor dem Rueckflug nun doch noch fuendig.
Tempel
Nach einem ziemlich langen Fussmarsch durch Chinatown sind wir auf einen Hindu-Tempel gestossen. Und nicht nur das, sondern wir hatten auch das grosse Glueck, dass wir Zeuge einer sehr beeindruckenden Zeremonie sein konnten. Es waren gleich mehrere Hindupriester anwesend, die Gebete rezitierten. Hauptperson war eine aeltere Frau mit ihrem Sohn. Nachdem eine ziemlich lange Weile gesungen und rezitiert wurde, wurde in einem extra dafuer vorgesehenen Platz ein Feuer entfacht und Opfergaben (Fruechte, Blumen) dort verbrannt. Zuletzt gab die Frau dem Priester ein Buendel, das dieser segnete und dann ebenfalls verbrannte.
Verbrennungszeremonie
Dann begaben sich wieder alle in die Mitte des Tempels, wo sich inzwischen immer mehr Menschen angefunden und auch vier Musiker niedergelassen hatten, die zu spielen begannen. In dem Tempelraum gab es drei kleine Altarraeume, in denen sich jeweils eine Goetterstatue befand. Nacheinder begaben sich die Priester und die Glaeubigen zu den Goetterstatuen und schuetteten abwechselnd Gefaesse mit verschiedenen Flussigkeiten ueber die Statuen aus, wobei jedesmal im Anschluss eine Schale mit Feuer ueber der Statue geschwenkt wurde. Bei den Fluessigkeiten handelte es sich um Wasser, Milch sowie stark gefaerbte Fluessigkeit. Nach jedem Schwenken der Feuerschale hielten die Glaeubigen betend ihre Haende in die Hoehe.
Zeremonie
Es ist schwer zu sagen, um was fuer eine Zeremonie es sich genau handelte, aber ich vermute, dass es sich vielleicht um eine Zeremonie zu Ehren eines Toten (des Ehemannes der Frau und Vater des jungen Mannes?) handeln koennte. Bei der anschliessenden Zeremonie handelte es offensichtlich um Opfergaben und um Reinigung.

Auf jeden Fall war die Zeremonie ein Fest fuer alle Sinne: farbenpraechtige Statuen und Blumengdekorationen, eine Wolke von Raeucherstaebchenduft und dazu die lebhafte Musik.
Altar



Freitag, 24. September 2010
Wieder in K.L.
Gestern haben wir unser Dschungelparadies verlassen und sind wieder in Kuala Lumpur - von den Einheimischen K.L. genannt - angekommen.
Twin towers
Die Adresse unseres jetzigen Homestays haben wir in aller Schnelle aus einen deutschen Malaysien-Reisefuehrer rausgeschrieben. Als wir dann nachts gegen 1.30 Uhr ankamen, hatten wir grosse Schwierigkeiten, das Homestay zu finden, da es sich im zweiten Stock befindet und alle schon geschlafen haben. Wir sind dann mutig die Stockwerke hochgestiegen und haben einen Eindruck in das chinesische Wohnen erhalten, denn die zum Treppenhaus gelegene Seite der Wohnung hat keine Wand (!) sondern nur ein Gitter. Ensprechend sahen wir dann auch jede Menge schlafende Chinesen, auf dem Sofa, auf dem Boden oder sitzend auf einem Sessel.

Schliesslich kamen wir dann aber doch an. Die Kueche, das Clo und die Dusche sind unsagbar schmuddelig, aber wir haben ein relativ ruhiges und sauberes Zimmer. Ich habe mich jetzt endlich mal darauf eingelassen, morgens kein Fruehstueck "Westernstyle" zu mir zu nehmen, sondern eine chinesische Fischballsuppe gegessen. Sehr lecker!!
Nachtmarkt